Partner ändern

Kann man den Partner ändern?

„Ändern kann man nur sich selbst, nicht den Partner“, erklärt Mag.a Andrea Holzer-Breid, Beraterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT

Dennoch ist es eine Herausforderung in der Paarbeziehung, den Partner so anzunehmen und auszuhalten, wie er ist. Jeder Mensch bringt aufgrund seiner Erfahrungen in der Herkunftsfamilie verschiedene Werte, Verhaltensmuster, Sehnsüchte mit. Typischerweise geht jeder Partner davon aus, dass die Welt für den anderen dieselbe Welt ist: dass dieser dasselbe mag oder so handelt, wie man selber handeln würde. Weil Menschen aber unterschiedlich sind, und jeder seine Vorstellungen durchsetzen möchte, kommt es zu Machtkonflikten und Streitigkeiten manchmal bei lächerlichen Themen wie einer offenen Zahnpastatube oder dem herumliegenden Gewand.

Wichtig ist, dass Paare sich über ihre Unterschiede austauschen und versuchen, die Andersartigkeit des Partners kennenzulernen. Eine Gefahr ist, die Eigenart des anderen abzuwerten. Manche Menschen versuchen mit aller Kraft und vielen Vorwürfen, den Partner zu einem besseren Menschen (Partner, Vater, Liebhaber) zu erziehen. Das führt schnell zum Tod der Liebe. Durch Vorwürfe und Kritik fühlt man sich verletzt und reagiert mit Gegenkritik und Abwertung des Partners. „Paare, denen dies passiert, empfehle ich unsere Kommunikationstrainings EPL und KEK, bei welchen man lernt, konstruktive Gespräche zu führen und Konflikte zu lösen.“, empfiehlt Holzer-Breid. 

Viele Paarkonflikte und Veränderungswünsche entstehen in der Zeit mit kleinen Kindern. Manche Frauen möchten aus ihren Männern bessere Väter machen: sie sollen häuslicher werden, sich für den Nachwuchs engagieren und die Mütter ab und an entlasten. Hier braucht es Geduld und viel positiven Ausgleich. Frauen sind gefordert, herauszufinden und zu sagen, was ihnen gut tut, anstatt zu jammern und dem Partner Vorwürfe zu machen. Hinter Wünschen nach Änderung des Partners steht meist ein Bedürfnis. Hinter dem Vorwurf „Du bist nie da“ könnte die Sehnsucht nach mehr gemeinsamer Zeit stehen. Positive Formulierungen sind dabei sehr hilfreich: „Ich möchte mehr Zeit mit dir verbringen und einen gemeinsamen Abend in der Woche mit dir haben.“ Bedürfnisse können erfüllt werden, Vorwürfe provozieren Schuldgefühle des Partners.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, herauszufinden, ob die Marotten des Gefährten/der Gefährtin zur Persönlichkeit des Partners gehören oder änderbar sind. Sportlich-aktive Menschen kann man zum Beispiel kaum zum „Couch-Potato“ umerziehen und aus kontaktfreudigen Menschen werden keine Eremiten. Änderbar ist aber die Aufteilung der Aufgaben in der Familie. 

Hilfreich ist es, sich einen Tisch in der Wohnung zu suchen, an welchem man immer wieder Konflikte bespricht. Ziel sind (möglichst schriftliche) Vereinbarungen, wie das Paar gemeinsam die Herausforderungen des Alltags bewältigt: wer wann welche Aufgaben erledigt und wie jeder zu seinem Freiraum kommt. „Ein Konflikt ist dann gelöst, wenn beide Parteien mit der Lösung zufrieden sind“, so die Familienberaterin. 

Die Expertin empfiehlt, nicht immer nur das Negative sondern auch das Positive zu sehen und den Partner möglichst oft wertzuschätzen nach dem Motto: Den Partner dabei erwischen, wie er mir Gutes tut: „Ich bin froh, dass du dich so gut um unsere Kinder kümmerst. Das entlastet mich sehr.“ So lebt man in der Liebe und der Fülle des Lebens und nicht im Defizit. 

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