Zigaretten in Kinderhänden

Jugendliche und Sucht

Wenn Jugendliche Suchtmittel ausprobieren, muss nicht gleich Katastrophenalarm ausgelöst werden. Wichtig ist es in diesem Lebensabschnitt vor allem das Beziehungsband zwischen Eltern und Kindern zu pflegen und aufrecht zu erhalten.

Dass Jugendliche ab 14 Jahren anfangen sich für Suchtmittel zu interessieren ist nicht ungewöhnlich. Wenn man betrachtet, wie viele Jugendliche Rauschmittel ausprobieren und wie viele in Relation dazu tatsächlich in die Abhängigkeit rutschen, wird rasch deutlich, dass Interesse beziehungsweise Ausprobieren und eine Suchterkrankung weit auseinander liegen.

Sucht entsteht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess, der von bestimmten Faktoren beeinflusst wird: Individuum, Soziales Umfeld, Suchtmittel und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Wichtig ist, dass diese Faktoren mit sogenannten Schutzfaktoren ausgestattet sind. Diese sind wesentlich, um psychosoziale Gesundheit aufrecht zu erhalten. Menschen mit Selbstvertrauen, Frustrationstoleranz, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, Selbstverantwortung und Genussfähigkeit sind gut gewappnet. Das soziale Umfeld kann dabei unterstützen, dass sich diese Fähigkeiten gut entwickeln. Eltern haben hier eine sehr wichtige Rolle: Eine gute Beziehung zum Jugendlichen, Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit sind die Basis für die Stärkung der Person. Stärken und Schwächen zu akzeptieren, Gefühle zuzulassen, Kontakt zu halten, Konflikte konstruktiv auszutragen – all dies fördert und stärkt die Beziehung.

Jugendliche befinden sich in einer Zeit „des Überganges“. Solche Übergangszeiten sind für viele Menschen Krisenzeiten, in denen häufiger zu Suchtmitteln gegriffen wird. Verunsicherung, Zweifel und Orientierungslosigkeit spielen meist eine Rolle. Umso wichtiger ist, dass Jugendliche dann das Gefühl haben, bei ihren Eltern Halt zu finden – auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, dass ihr Kind genau das ablehnt und den Wunsch nach Unabhängigkeit demonstriert. Regeln sind in dieser Zeit wichtig, müssen aber immer wieder neu verhandelt werden. Grenzen auszutesten, sich auflehnen, sich von den Eltern abzugrenzen und zurückzuziehen, sind normale Entwicklungsmuster in diesem Alter. Wichtig ist es, das „Band“ der Beziehung, auch wenn es manchmal sehr dünn wird, nicht reißen zu lassen und die Geduld nicht zu verlieren.

Jugendliche konsumieren Suchtmittel häufig aus Neugierde und zumeist in der Gruppe.  Sie sollten daher über psychotrope Substanzen gut informiert sein, sowohl über die legalen Rauschmittel als auch die illegalen, und Eltern ebenso. Das Hinterfragen des Gruppenverhaltens und Überlegungen zu der Frage „Was bedeutet der Konsum von Alkohol oder Nikotin für mich selbst?“ sollten angeregt werden.

Ziel sollte es sein, innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedinungen einen genussvollen, kontrollierten Konsum zu entwickeln. Legale Substanzen wie zum Beispiel Alkohol sind ein Bestandteil unserer Kultur. Wenn der Sohn/die Tochter einmal zu viel davon getrunken hat, sollte Risikominimierung im Vordergrund stehen (Wie komme ich nach Hause? Darf ich meine Eltern anrufen und sie bitten, mich abzuholen? Fahre ich mit anderen, die Alkohol getrunken haben im Auto mit? etc.).

Wenn sich exzessiver Konsum häuft und Eltern fürchten, dass ihnen die Situation entgleitet, kann Unterstützung von außen, z.B. durch ein Gespräch in einer Beratungsstellen, hilfreich sein. Durch eine Entlastung der oft hochemotionalisierten Stimmung können dahinter stehende Probleme und Konflikte thematisiert werden.

Eltern ist oft gar nicht bewusst, welch wichtige Vorbildwirkung sie haben. Der Umgang mit Suchtmitteln kann das spätere Verhalten der eigenen Kinder maßgeblich prägen. Denn Kinder machen ihren Eltern vieles irgendwann einmal nach.

Quelle

Interview (13.07.2010) mit Frau Beate Tomas
Stv. Geschäftsführerin Verein Dialog, Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin
www.dialog-on.at