Jobverlust mit 45 plus

Jobverlust mit 45 plus

Wenn man im fortgeschrittenem Alter seines vermeintlich gesicherten Jobs verlustig wird, ist dies aus vielerlei Gründen eine kritische Situation. Auf der rationalen Ebene denkt man über erschwerte Vermittelbarkeit nach, aber auch emotional gibt es zu kämpfen.

„Die Belastung für eine nicht mehr ganz junge Person, die soeben ihren Job verloren hat, hängt davon ab, wie sehr sie eingebunden ist und wie wichtig ihre Arbeit für sie ist“, so Mag. Melanie Kappel, Klinische- und Gesundheitspsychologin in der Mädchen-, Frauen- und Familienberatungsstelle Lichtblick in Feldkirchen.
Für viele sei neben den finanziellen Sorgen, die meist im Vordergrund stehen, die größte psychische Herausforderung, dass sie sich nicht mehr gebraucht fühlen. Viele würden mit dem Gefühl kämpfen, nun am Rande der Gesellschaft zu stehen – Selbstunsicherheiten und Schamgefühle kommen auf. Dazu die Beraterin: „Vor allem Männer, die sich oft sehr stark über ihre Arbeit definieren, sind hier gefährdet. Dies kann bis hin zur Depression gehen.“ Frauen seien häufig auch sehr über die Familie gestärkt und würden sich dadurch als wertvoll empfinden – auch wenn sie ihre Unabhängigkeit vom Einkommen eines Partners genauso schätzen. Beziehungen seien durch Jobverlust eines Partners ohnehin einer Belastungsprobe ausgesetzt, doch könne der Partner einiges tun, um sein Gegenüber zu stärken. „Man muss den anderen in so einer Ausnahmesituation besonders wertschätzend behandeln. Ihm/Ihr vermitteln, dass sie/er ein wertvoller Mensch ist – ihm Rollen zuteilen, entlastend sein“, appelliert die Expertin an die Mithilfe des Partners.
In der ersten Phase sei das meist gut möglich. Sollte daraus eine Langzeitarbeitslosigkeit werden, treten häufig massivere Probleme auf, wie Passivität und Resignation. Hier können Kurse helfen, die wieder eine neue Aufgabe und Struktur geben, dies wäre aber auch der richtige Zeitpunkt, einen Profi einzuschalten.
Laut Kappel sei das Thema bei alleinerziehenden Müttern oft anders zu behandeln. Hier sind die psychischen Probleme meist durch existentielle Sorgen überlagert. Aber auch für sie gäbe es vielerlei Möglichkeiten, sich unterstützen zu lassen.

Am besten wendet man sich nach einem Jobverlust ab 45 oder auch schon früher an eine der in ganz Österreich vertretenen Familienberatungsstellen. Egal, wo der Schuh drückt, die Berater und Beraterinnen helfen Ihnen, bei vielen Themen eine Lösung zu finden.