Schwangere Frau, trauriges Gesicht auf Papier

In freudiger und trauriger Erwartung

Eine der ausweglosesten Situationen im Leben einer Frau: Sie ist ungeplant schwanger und ihr Partner verlässt sie. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Wenn eine Frau ungeplant schwanger wird, bedeutet dies, mit einer Lebensüberraschung fertig werden zu müssen, die das weitere Dasein entscheidend beeinflussen wird. Wenn dann noch eine nicht vorhersehbare Distanz des Partners dazukommt, wird es besonders schwierig – die Krise ist vorprogrammiert. „Hier gibt es keine allgemeine Regel.“, weiß Hemma Schöffmann-Engels, Leiterin von aktion leben salzburg und Dipl. Ehe- und Familienberaterin. „Es hängt von den Grundhaltungen der Frau und von ihren Lebensumständen ab, was zu tun ist.“ Wichtig sei vor allem, sich in einer Beratungsstelle Hilfe zu holen. Denn die meisten Frauen fühlen sich doppelt verschmäht und abgelehnt: Nicht nur sie sind gemeint, sondern auch das Kind, das in ihnen heranwächst. Schöffmann-Engels empfiehlt, auch die Männer zu einem gemeinsamen Gespräch in die passende Beratungsstelle zu bitten. „Oft können Ängste dann relativiert werden, die die Männer zu diesem Schritt bewogen haben.“ Denn häufig seien es eigene Erfahrungen, die man mit unerfüllten Erwartungen an den Vater gemacht hat, die Männer in die Flucht treiben, weiß die Expertin. Meist jedoch liegt es an der Partnerschaft, die für ein Kind doch noch zu wenig gefestigt war oder auch an einem Kommunikationsproblem. Vielleicht ist einmal eine Äußerung gefallen, dass Kinder schön wären, die dann vom Mann aber möglicherweise doch nicht so ernst und mit sofortiger Wirkung verstanden wurde …

Wenn der Vater des Kindes tatsächlich geht, gilt es für die werdende Mutter, einiges an Bewältigungsarbeit zu leisten. Schöffmann-Engels: „Meistens muss ein völlig neues Zukunftsbild entwickelt werden. Man muss sich von dem bisherigen persönlichen  Familienbild verabschieden. Man muss sich von dem alten, tradierten Familienbild verabschieden und auch von der selbst auferlegten Aufgabe, dem Kind Mutter zu sein und auch noch den Vater ersetzen zu wollen – denn das ist einfach eine Überforderung.“ Wenn es sich bei der ungeplanten Schwangerschaft nicht um das erste Kind handelt, kommt noch dazu, dass die Mutter bereit sein muss, den vorherigen Kindern den Kontakt zum Vater zu ermöglichen, obwohl sie mit ihm derzeit nichts zu tun haben will. „Hier stehen Frauen vor der Herausforderung, trotz der erlebten Verletzung/Kränkung das Wohl des Kindes in den Vordergrund zu stellen und den Kindern den Zugang zum Vater zu ermöglichen.“, so Schöffmann-Engels.

Die geförderten Familienberatungsstellen bieten in dieser schwierigen Situation Unterstützung, aktion leben begleitet Frauen und hilft, auch alle sozialrechtlichen Ansprüche abzuklären.