Drei Mädchen unterschiedlicher Kulturen

In der Schule meines Kindes gibt es viele Ausländer/innen. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Vor allem in Städten haben die meisten Schulklassen einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Eltern, deren Kinder schulpflichtig werden, stellen sich die Frage, was dies für die Weiterentwicklung ihrer Kinder bedeutet. Gabriele Rechberger, Familienberaterin und Geschäftsführerin des Vereins Viele in Salzburg hat dazu eine klare Meinung: Es gäbe viel zu viele Vorurteile. Sie selbst hat ihr Kind ganz bewusst in eine gemischte Schule gegeben. „Für mich überwiegen klar die Vorteile“, so die Beraterin. „Die Gesellschaft ist durchmischt, so funktioniert das Leben. Je früher man Toleranz fördert und lernt, sich von Vorurteilen abzugrenzen, umso besser.“ Wichtig seien bei der Auswahl der richtigen Schule viel mehr die Rahmenbedingungen, das Klima an der Schule und die Zusatzangebote für Schüler wie auch für Lehrerinnen und Lehrer. „Natürlich kann es schwieriger sein für alle Beteiligten, wenn mehrere Schüler schlecht oder kein Deutsch sprechen. Wichtig ist, dass die Eltern Anteil nehmen am Lernprozess und sich engagieren. Aber das ist in jedem Fall notwendig.“ 

Weitere Vorurteile oder häufige Themen wie etwa das der Ghettoisierung komme auch in ganz anderen Konstellationen vor: So etwa in Nobelschulen, wo Kinder aus der Villengasse sich beispielsweise gegen alle anderen verbünden. Oder auch Gewalt: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel in Privatschulen von wohlhabenden Eltern auffälliger Kinder vertuscht wird. Wenn ein Kind mit Migrationshintergrund ausflippt, kommt das viel schneller in die Medien.“ Auffällig werden Kinder dann, wenn sich keiner um sie kümmert, wenn sie verwahrlosen – und das kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Rechberger spricht auch von den überprotegierten, wohlstandsverwahrlosten Kindern, die mit acht Jahren nicht fähig sind, alleine einen Bleistift einkaufen zu gehen. Das sei ein Punkt, warum aus Sicht der Beraterin Schüler/innen in einer durchmischten Klasse enorm profitieren: „Was Kinder aus Vielkinderfamilien und solchen mit Migrationshintergrund grundsätzlich auszeichnet: Sie haben eine hohe Problemlösungskompetenz, sind sehr selbständig und hängen nicht permanent an der elektronischen Schnur, um Mama oder Papa um Hilfe zu rufen.“ Es sei für unsere Jugend immer wichtiger, zu lernen, dass man Dinge auch selbst in die Hand nehmen muss. Für die Eltern sei es wichtig, sich von Stigmatisierungen abzugrenzen und den Kindern zu vermitteln, wie wertvoll sie selbst und ihre Mitschüler sind. „Kinder lernen ihren eigenen Wert viel besser einzuschätzen und auch die anderen als wertvolle Mitmenschen zu akzeptieren.“

Wer mit der Schulsituation Probleme hat, kann sich jederzeit an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen wenden. Im Verein Viele in Salzburg etwa drehen sich rund 20 Prozent aller Gespräche um Schulfragen.