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Neugeborenes liegt auf der Brust der Mutter. Es ist zugedeckt, sie hält es fest.

„Ich wünsche mir eine natürliche Geburt.“

„Kaiserschnittgeburten entsprechen in vielen Fällen nicht dem Wunsch der Frau“, weiß Mag. Julia Erlach, Bereichsleiterin in der Familienberatungsstelle KOKO in Salzburg. „Ein Kaiserschnitt wird vom Arzt/von der Ärztin dann empfohlen, wenn das Leben der Mutter und/oder des Kindes durch eine natürliche Geburt ernsthaft gefährdet wäre. Dabei wird zwischen einer absoluten Indikation (Kaiserschnitt ist unbedingt notwendig) und einer relativen Indikation (natürliche Geburt stellt ein erhöhtes Risiko dar) unterschieden.“

Ärzte und Hebammen empfehlen oft nicht dasselbe: Ärzte wollen das Risiko gering halten und tendieren zum Kaiserschnitt, während Hebammen eher zur natürlichen Geburt raten. Das kann werdende Mütter in einen Gewissenskonflikt bringen und die Entscheidung erschweren. „Wichtig ist immer der Gedanke, selbst ‚Expertin’ in eigener Sache zu sein. Jeder kennt seine persönliche Lebenssituation am besten. Die eigene Meinung und Einstellung ist ebenso wichtig wie die fachlicher Experten. Für werdende Eltern ist oft hilfreich, um Bedenkzeit zu bitten, gezielt nach Alternativen zu fragen und eine Zweitmeinung einzuholen“, erklärt die Beraterin. Wird von ärztlicher Seite ein Kaiserschnitt empfohlen, kann es beruhigend sein, sich mit Frauen auszutauschen, die ebenfalls per Kaiserschnitt entbunden oder die sich trotz Empfehlung für eine natürliche Geburt entschieden haben.

Familienberatungsstellen bieten während der Schwangerschaft, sowie vor und nach der Geburt kostenlose Beratung an. Viele Schwangere lassen sich in dieser Zeit auch von niedergelassenen Hebammen betreuen. Diese Begleitung stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und baut Ängste ab. Im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen erhalten künftige Mütter/Eltern Informationen zu Themen rund um die Geburt. Wichtig ist, mit der jeweiligen Fachperson ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, damit Erwartungen und Befürchtungen gemeinsam optimal bearbeitet werden können“, rät Mag. Erlach. Im Gespräch können Fragen beantwortet werden, wie z.B.: Welche Möglichkeiten gibt es, um nach einer Kaiserschnittgeburt eine optimale Bindung zwischen Kind und Mutter sicherzustellen?

Manche Mütter die per Kaiserschnitt entbunden haben, können unter dem Gefühl leiden, versagt zu haben, die natürliche Geburt nicht geschafft und ihrem Kind dadurch den idealen Start ins Leben verwehrt zu haben. Selbst wenn eine natürliche Geburt nicht möglich war, existiert oft eine Traurigkeit und das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt macht es zudem den Anschein, dass viele Personen des Umfeldes das Gefühl haben, ungefragt mitreden zu dürfen und alles besser zu wissen... „Wenn Versagensgefühle auftreten, kann die Begleitung durch eine Fachperson helfen“, weiß die Expertin. „Für einen Laien bleibt es immer schwer, zu beurteilen, wie notwendig der Kaiserschnitt ist bzw. war. Es gilt, denjenigen, die sich dazu gezwungen sahen, nicht noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen oder Vorwürfe zu machen, die Form der Entbindung ist letztlich allein Sache der Frau bzw. der Eltern. Durch Vertrauen in die beratende Person kann eine werdende Mutter lernen, sich nicht verunsichern zu lassen und mit ihrem Entschluss im Einklang zu sein.“