Mutter und Tochter beim Essen

Ich will nicht so sein – kann ich mich ändern?

Wenn man in eine Krise kommt oder Leidensdruck entsteht, kann man einerseits die äußeren Rahmenbedingungen und das Umfeld dafür verantwortlich machen; es führt aber kein Weg daran vorbei, auch das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen. Meist kommt man dann zu der Erkenntnis, dass man für seine Lage mitverantwortlich ist. Dass Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale mit dazu geführt haben, da zu sein, wo man ist. Und dann stellt sich die Frage: Kann ich mich überhaupt ändern? Kann ich meine Lage verbessern, indem ich bei mir selbst ansetze? „Die Antwort ist: Ja. Ich kann – es braucht dafür allerdings einige Voraussetzungen“, Mag. René Vodouschek ist Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe in der Psychosozialen Beratungsstelle Hartberg. Er weiß, dass in vielen Beratungssituationen die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu ändern oder zu modifizieren, eine zentrale Rolle einnimmt. „Es braucht dafür unbedingt Leidensdruck und den großen Willen, an sich zu arbeiten.“ Darüber hinaus seien Sparringpartner wichtig, die einen bei seinem Vorhaben unterstützen, und nahezu tägliches Üben.

Man nehme etwa das Beispiel einer Mutter, die ihre Kinder zum Aufessen ermahnt und dies nur, weil sie selbst den Teller immer leeren musste. Rational ist ihr längst bewusst, dass das Unsinn ist. „Ein solches Verhalten nennt man internalisiert. Es wurde einem quasi eingetrichtert“, erklärt Vodouschek. Internalisiert können auch vermittelte Grundhaltungen sein. Etwa: Eine Partnerschaft muss immer harmonisch sein, als Frau muss man schlank sein und vieles mehr. Wenn aus solch einem Thema dann ein Problem wird, hilft es oft, herauszufinden, woher die Prägung kommt. Dazu der Profi: „Das kann schon die halbe Miete sein und zu großer Erleichterung führen. Ein weiterer Vorteil: Man kann der Sache einen Namen geben und sie zuordnen.“ So kann etwa eine immer eifersüchtige Ehefrau die Wurzeln ihres mangelndes Vertrauens finden und damit als Grundlage ihre daraus resultierenden Handlungen schrittweise ändern – wie etwa das Handychecken des Partners.

Vodouschek hat konkrete Tipps, wie man an sich arbeiten kann: „Wenn man sich bei einem unerwünschten Verhalten ertappt, spricht man es am besten laut aus, entschuldigt sich bei den Betroffenen und bittet sie, eine/n das nächste Mal aufmerksam darauf zu machen. Das bedeutet laufende Übung und führt allmählich zu einer Verhaltensänderung.“ Weiters könne es helfen, Grundhaltungen, die man aufgeben möchte, schriftlich zu notieren und in neue umzuformulieren.

Bei all dem können Profis enorm unterstützend sein. Wenden Sie sich daher mit Ihren belastenden Themen an eine der zahlreichen Familienberatungsstellen in Österreich, wo Sie einen kostenfreien Beratungstermin vereinbaren können.