Ich will mich ändern! Geht das überhaupt?

„Ich steh´ mir selbst im Weg.“ Eine Erkenntnis, die so gut wie jeder irgendwann einmal im Leben erlangt. Krisen, die aus ewig gleichen Verhaltensmustern entstehen, Unzufriedenheit mit sich selbst, weil man wieder und wieder mit den Kindern schreit – es gibt eine Vielzahl von Gründen, derentwegen man gerne ein Schräubchen an sich selbst drehen würde… Doch das ist nicht so leicht. „Der erste wichtige Schritt ist schon die Einsicht, dass nicht nur die anderen schuld sind, wenn es zu Streit oder unangenehmen Situationen kommt.“, so Karoline Avender, Diplomierte Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, Mediatorin und Supervisorin beim IFP Graz-Seckau. „Die erste Reaktion ist ja meist, den Fehler bei allen anderen als sich selbst zu suchen.“ Wenn einem klar wird, dass das eigene Verhalten Anteil hat, beginnt ein Prozess, den man langfristig betrachten muss und der auch viel Engagement braucht. 

Avender: „Aus der Gehirnforschung weiß man, dass Verhaltensmuster im Gehirn wie  (Auto)Bahnen angelegt sind, die nur sehr schwer zu verlassen sind. Selbst wenn man es schafft, diese Bahnen zu weiten, tendiert man dazu, immer wieder in die alten Spur-Rillen zu rutschen.“
Daher braucht es oftmals ein einschneidendes Erlebnis, einen Schuss vor den Bug, der den Ausweg ermöglicht. Die Beraterin erzählt als Beispiel von einer Klientin, die nach jahrelangem Hadern mit ihrer Lebenssituation und ihrer Unfähigkeit, sich daraus zu befreien, schlagartig nach einer Tumordiagnose ihr Leben in neue Bahnen gelenkt hat. 

Um möglichen Big Bangs schon vorzubeugen, braucht es laut Avender sehr viel Achtsamkeit – vor allem im Umgang mit sich selbst. „Wichtig ist zu erkennen, in welchen Situationen man das Verhalten, das man zu ändern wünscht, an den Tag legt. Schreie ich etwa dann besonders schnell, wenn es morgendlichen Stress gibt? Welche Vorzeichen kann ich schon erkennen? Und welche Möglichkeiten gibt es, vorzubeugen. Etwa, die Kinder 15 Minuten früher aufzuwecken und damit Druck aus der morgendlichen Hektik zu nehmen?“ 

Die Expertin rät aber auch, in Beratungsgesprächen zu klären, woher die Verhaltensmuster kommen. „Man ist nicht schuldig oder böse, wenn man sich nicht immer adäquat verhält. Jeder hat seine Muster über viele Jahr hinweg eingelernt und somit im Gehirn gebahnt. Veränderung braucht auch Zeit und vor allem Geduld mit sich selbst.“ Dieses Bewusstsein helfe, nicht ständig mit sich selbst unzufrieden sein zu müssen.

 „Freuen Sie sich auch und loben Sie sich selbst, wenn Sie kleine Fortschritte machen – das polt Ihr Gehirn in Richtung „neues Verhalten““, rät Avender. Wichtig sei jedenfalls, nicht zu schnell den Mut zu verlieren, da Arbeit an sich selbst ein länger Prozess sei. Wer sich Hilfe und Rat holen möchte, ist in einer der Österreichischen Familienberatungsstellen sehr gut aufgehoben und kompetent begleitet.