Kleine Hand von farbigem Kind packt Daumen des weißen Vaters

Ich will einen Flüchtling zuhause aufnehmen – meine Partnerin/mein Partner ist dagegen

„Die erste Frage, die man sich selbst zu diesem Thema stellen soll: Woher kommt dieser Wunsch? Kommt er aus der eigenen Herkunftsgeschichte – wurden z.B. meine Eltern selbst als Flüchtlinge aufgenommen und ich darf daher jetzt in einem freien Land leben? Ist es eine politische Haltung oder hat es damit zu tun, dass man Gutes bewirken will?“, rät die Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Susanne Bock von der Beratungsstelle der Diözese Linz – BEZIEHUNGLEBEN.AT.

Wenn man die Partnerin/den Partner dann konfrontiert, ist diese/r meist unvorbereitet und wird sich vorerst wahrscheinlich bedrängt fühlen – darauf sollte man vorbereitet sein. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht, darüber zu reden und einen gemeinsamen Weg zu finden.

Die Expertin schlägt einen Gesprächsraster vor, der bei schwierigen Themen wie diesem in einer Partnerschaft helfen kann. Das Ziel: Eine Lösung, mit der beide gut umgehen können. „Es handelt sich dabei um einen bewährten Drei-Schritte-Prozess, der in den meisten Fällen zu einer befriedigenden Einigung führt.“

Schritt eins: Wie bereits anfangs beschrieben werden Motivationen geklärt. Die Partner/innen notieren ihre Überlegungen, Gefühle und Ideen auf einem Zettel. Was ist mir so wichtig und warum? Welche Ideen habe ich, wo sich der Gast aufhalten kann? Wie könnte das Zusammenleben funktionieren – oder eben auch nicht? Was bedeutet das für uns?

In einem zweiten Schritt setzt man sich zusammen und bespricht eine Stunde lang und nicht länger die Ergebnisse. „Wichtig ist dabei, dass eine/r reden darf und der/die andere immer zusammenfasst, was gesagt wurde, ohne schon zu widersprechen oder Eigenes beizutragen. Das sorgt für gegenseitiges Verständnis.“ Sollte die Partnerin/der Partner beim Wechsel dagegen sein und andere Standpunkte haben, ist es wichtig, sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, sondern vorerst ihre/seine Sichtweise ebenfalls zu akzeptieren und anzunehmen. 

Es kann dann ein zweiter Termin nötig sein, bei dem man noch einmal in Ruhe alles durchdiskutiert. Vielleicht sind ja in der Zwischenzeit neue Ideen aufgetaucht. „Beim gesamten Gesprächsverlauf muss klar sein, dass man den anderen nicht verändern kann und vermutlich auch nicht überzeugen“, so die Beraterin.

Gelingt eine Einigung, kann im dritten Schritt die Umsetzung in kleinen Schritten geplant und durchgeführt werden.

Sollte sich herausstellen, dass es in der ursprünglichen Form zu keiner gemeinsamen Lösung kommt, so müssen die eigenen Prioritäten geklärt werden – vor allem von jenem Part, der den Wunsch geäußert hat: Ist es mir wirklich so wichtig, einen Flüchtling im Haus aufzunehmen? Oder ist mir eine harmonische Partnerschaft wichtiger?

Es gibt ja auch eine Reihe an weiteren Möglichkeiten, wie man dieses Bedürfnis kanalisieren kann: z.B. Deutschunterricht geben, in einem Flüchtlingshaus helfen oder Flüchtlinge zum Essen einladen, sie auf Ausflüge mitnehmen und Ähnliches.

 

Wenn es aufgrund dieses Themas oder generell aufgrund politischen Haltungsunterschieden zu Partnerschaftsproblemen kommen sollte, kann ein Beratungsgespräch in einer der österreichischen Familienberatungsstellen sehr hilfreich sein.