Frau beim online-Shopping

Ich will alles haben

Die beste Freundin trägt das neueste Designer-Taschenmodell. Der Nachbar fährt ein schnelles Auto. Der Arbeitskollege erzählt von seinem Urlaub auf die Malediven.

Bei vielen Menschen löst das aus: Ich muss das auch haben, ich will da mithalten können. Und am besten übertrumpfe ich das noch.

Michaela Mathae, Psychotherapeutin und Beraterin des Vereins Familie und Beratung, erklärt, dass dies sehr viel mit dem eigenen Selbstwert zu tun hat: „Man will sich genauso finanzkräftig und somit erfolgreich darstellen, wie die Menschen im eigenen Umfeld. Dann ist man doch automatisch mehr Wert.“ Allerdings überlegen sich dabei die wenigsten, dass dies nicht dauerhaft glücklich macht. „Es ist ein sehr kurzlebiges, vermeintliches Glück und deckt für´s erste vermutlich darunterliegende Probleme zu“, so die Expertin.

Ein anderer Grund, warum gerade jetzt sehr viel gekauft und angeschafft wird ist die Einsamkeit. Dazu Mathae: „Zu Lockdown-Zeiten fühlen sich viele einsam und benachteiligt. Das versucht man zu kompensieren, indem man online shoppt.“ Dies führe häufig dazu, wie die Expertin aus ihren Beratungen weiß, dass man dies über seine Verhältnisse tut und es zu Verschuldung kommt. Onlineversandhäuser würden sehr günstige Kredite mit niedrigen Ratenzahlungen anbieten, was für viele eine Falle ist.

Daher immer zuerst zu hinterfragen, woher die Lust auf den Kauf der jeweils neuen Beute kommt. Möchte man das, was man gerade im Begriff ist zu kaufen, wirklich? Was bedeutet es, wenn man es dann hat? Was gibt es einem? Oder steckt ein anderes Bedürfnis dahinter?

Auch in Partnerschaften könne man es wertschätzend ansprechen, wenn man merkt, dass die Partnerin/der Partner irgendeiner Art augenscheinlich übertriebener Shoppinglust ausgesetzt ist. „Sprechen Sie das Thema an. Reden Sie miteinander darüber. Aber bitte ohne Vorwürfe.“, so Mathae. Auch Freunde oder Freundinnen könnten das tun. Wichtig sei dabei immer, nicht zu werten und auch nicht zu urteilen.

Oft reicht schon dieses Bewusstmachen als Anstoß, über die Einkäufe besser zu reflektieren.

Falls das auch für Sie oder einer Person in Ihrem Umfeld ein Thema sein sollte, wenden Sie sich gerne an eine der österreichischen Familienberatungsstellen und vereinbaren Sie einen kostenfreien Termin!