Frau mit Burka

Ich schäme mich, Migrantionshintergrund zu haben

Schamgefühle liegen in der Natur des Menschen – vor allem, wenn man anders ist und von der Norm abweicht. Jelena Stojanovic, Psychologin und Beraterin in der Beratungsstelle VIELE, hat mit zahlreichen Frauen mit Migrationshintergrund zu tun, die sich aufgrund ihres Aussehens, ihrer Kleidungskultur oder ihrer teilweise mangelnden Sprachkenntnisse oftmals unwohl fühlen: „Frauen, die zu uns in die Beratung kommen, sind immer wieder Situationen ausgeliefert, in denen sie sich hilflos fühlen.“ Das könne etwa aufgrund der Sprachbarriere bei Elternabenden der Schulkinder, bei Behördenbesuchen, aber auch aufgrund fremdenfeindlicher Äußerungen sein.“ Wie sie dann damit umgingen, sei individuell sehr unterschiedlich. Männer würden sich häufig leichter tun, da sie beruflich mehr Anerkennung erhalten, Frauen würden gerne mehr über ihre Gefühle sprechen. „Das Wichtigste ist, dass frau sich dem Thema stellt und es nicht unterdrückt. Es muss eine Atmosphäre geschaffen werden – was wir in der Beratungsstelle tun – in der über die Scham gesprochen werden kann“, erklärt Stojanovic.

Dafür müsse sich die Betroffene öffnen und einen bewussten Umgang pflegen. „Die Migrantinnen sehen dann, dass sie nicht alleine sind, und es hilft schon sehr, sich untereinander auszutauschen.“ Auch ein Gespräch mit einer Freundin mit ähnlichen Themen könne da schon sehr unterstützen.

„Wir versuchen dann, vor allem an der Selbstwahrnehmung zu arbeiten. Es kann eine große Herausforderung sein, die eigene Andersartigkeit zu akzeptieren, ein „Ich bin ok – Du bist ok“ Gefühl zu entwickeln und die Unterschiede womöglich sogar schätzen zu lernen. Das ist grundsätzlich ein Thema unserer Gesellschaft“, so die Psychologin.

Anstatt in der Schamabwehrdynamik mit Rückzug, Aggression oder sogar Autoaggression zu reagieren, gilt es, den eigenen Weg zu finden: entweder zu akzeptieren oder auch etwas zu ändern. Stojanovic: „Ob man dann etwa den Kleidungsstil anpasst oder etwaige Diskriminierungsfälle den Behörden meldet – all das muss man für sich selbst entscheiden.“ Dafür sei es nötig, die eigenen Gefühle dazu zu hinterfragen: „Wie spürt sich das für mich an?“ Dann forme sich daraus eine Haltung, mit der die Betroffenen umgehen lernen kann.

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