Ich muss heimlich die Pille nehmen

Ich muss heimlich die Pille nehmen

Wenn in einer Paarbeziehung über Kinderwunsch gesprochen wurde und sich beide bereit erklären, eine Familie zu gründen, ist das ein großer Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft. Meist überwiegt die Vorfreude auf die zu erwartende Schwangerschaft und das gemeinsame Eltern sein. Und doch kann es vorkommen, dass einer der Partner/innen nach reiflicher Überlegung spürt, dass er/sie doch noch nicht bereit ist, diese Bindung an den anderen einzugehen. Auch andere Gründe können dafür verantwortlich sein, dass man den ursprünglich geäußerten Kinderwunsch im Inneren revidiert …

Was der nächste Schritt in solch einem Fall ist, hängt von der Qualität der Beziehung ab. Dr. Gustav Mittelbach ist Allgemeinmediziner, Familientherapeut und Leiter des Sozialmedizinischen Zentrums in Graz. In einem Gespräch erzählt er, dass Verhütung in Beziehungen heutzutage sehr offen kommuniziert wird, dass es aber durchaus zu verzwickten Situationen kommen kann. „Grundsätzlich geht es bei diesem Thema ja um Enttäuschung. Wenn jemand – aus welchen Gründen auch immer – heimlich verhütet, weil er mit seinem/r Partner/in darüber nicht sprechen kann, dann ist die Vertrauensbasis in der Partnerschaft grundlegend zerrüttet. Sollte es zu einer Aufdeckung kommen, ist die Enttäuschung seitens des/der hintergangenen Partners/ Partnerin naturgemäß sehr groß. Betrug verärgert – und dies ist Betrug.“
Warum es überhaupt zu einer solchen Situation kommt, habe variantenreiche Ursachen. So könnte einer der beiden sich doch noch nicht so gefestigt fühlen oder er/sie empfindet den/die Partner/in bei genauerer Betrachtung doch nicht als geeigneten Elternteil. Auch eine Erkrankung kann der Grund sein, vor der man fürchtet, sie könne auf das Kind übertragen werden, über die man aber mit dem/der Partner/in noch nicht gesprochen hat. Häufig sind Männer bereits vasektomiert, erzählen dies nicht, weil sie fürchten, diese Tatsache könne die Partnerin abschrecken.
„Solche inneren Konflikte sind am besten mit Begleitung eines/einer Therapeuten/in zu klären. Man kann in der Beratung herausfinden, welche Punkte es gibt, die man für sich selbst klären muss, bevor man den nächsten Schritt tut“, so Mittelbach. Ziel sei jedoch immer, eine gemeinsame Basis beim Kinderwunsch zu finden und die betroffene Person soweit zu stärken, dass sie in der Beziehung offen und ehrlich mit dem Thema umgehen kann.

Wer zu diesem Thema eine/n qualifizierten Gesprächspartner/in sucht, ist in einer der österreichischen Familienberatungsstellen gerne zu einem Beratungsgespräch eingeladen.