Frau wehrt ab
Frau wehrt ab

Ich kann nicht Nein sagen

Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Wir müssen funktionieren und unseren Beitrag leisten – das wird uns schon von Klein auf beigebracht. Im Laufe des Lebens kommen jedoch bei immer mehr Menschen Phasen, in denen sie ihre Grenzen deutlich wahrnehmen.

Mag. Verena Weißenböck, ist Psychologin und Psychotherapeutin bei der Beratungsstelle Tamar, die sich insbesondere um missbrauchte Frauen kümmert. Sie kennt die Überforderung, in der viele ihrer Beratungssuchenden stecken: „Bei vielen Frauen und Männern werden Grenzen überschritten und sie merken es erst danach. Es kann ein langer Lernprozess sein, seine Bedürfnisse besser wahrnehmen zu lernen. Und dazu gehört auch, Nein sagen zu lernen.“ 

Auch Kindern und Jugendlichen solle man früh beibringen, wie sie bestmöglich in ihrer Selbstbestimmung bleiben und man solle es akzeptieren, wenn sie etwas gänzlich überfordert. „Leistungsorientierung ist nicht alles. Irgendwann funktioniert es ja ohnehin nicht mehr, wenn man ständig getrieben ist – irgendwann ist man zu erschöpft und fällt schlimmstenfalls in ein Burn Out“, weiß die Beraterin. Das Wichtigste sei daher, eigene Grenzen und Überforderungen auszuloten und zu lernen, wie man sich zurücknimmt, etwas ablehnt und auch mal Nein sagt. „Das muss man sich auch zutrauen und es hat mit Selbstwert zu tun. Sollte man sich schwer tun abzulehnen, wenn jemand einen um etwas ersucht, kann man ja auch um Bedenkzeit bitten und sich Argumente überlegen“, so ein Tipp der Beraterin. Wenn man sich genau überlegt hätte, warum man etwas nicht oder nicht mehr machen kann, täte man sich auch leichter mit der Absage.

Wichtig ist laut Weißenböck auch, sich immer wieder Auszeiten vom Alltag zu nehmen – kleine und große. „Machen Sie einfach einmal nichts! Schalten Sie ab und tun Sie etwas völlig Nutzloses, Sinnbefreites. Das kann sehr heilsam sein.“ Grundsätzlich solle man sich regelmäßig zurückziehen, reflektieren und einfach etwas tun, was man nur für sich selbst tut. Das kann ein Schweigewochenende sein, die tägliche Meditation oder Ähnliches, das einem Spaß macht. So lerne man mit der Zeit auch, sich besser abzugrenzen und auf sich zu achten.

Wenn Sie dieses Thema mit einem Profi besprechen wollen, wenden Sie sich an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen und melden Sie sich zu einer kostenfreien Beratung an.