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Junge Frau hockt in der Ecke eines Raumes auf dem Boden. Sie hat die Arme verschränkt, den Kopf auf den Knien und wirkt verzweifelt.

„Ich kann nicht mehr...zu viel Belastung“

Berufliche oder private Krisen, unangenehme Erlebnisse oder unerwünschte Veränderungen können anstrengend sein – da darf einem schon mal die Kraft ausgehen. „Wie man auf die Belastung reagiert, hängt von den persönlichen Verarbeitungsmechanismen unangenehmer und belastender Situationen ab“, erklärt Katharina Marek-Baudisch. Sie ist Psychotherapeutin, Supervisorin und Beraterin bei der Beratungsstelle Eltern für Kinder Österreich und weiß: „Frühkindliche Bindungserfahrungen können hier eine wichtige Rolle spielen: Wenn die Gefühle des Kindes ernst- und wahrgenommen werden, lernt es damit angemessen umzugehen. Daraus entsteht das Selbstvertrauen, auch schwierige Situationen bewältigen zu können.“

Aus einer aktuellen Belastungsreaktion kann später eine akute Belastung oder ein Belastungssyndrom werden. „In der Beratung geht man damit unterschiedlich um – je nach Auslöser und persönlicher Situation“, so die Expertin. „Zuerst müssen die Klienten erkennen, was sie belastet: ist es eine spontane Reaktion auf eine momentane und vielleicht neue Situation oder ist es etwas das schon lange da ist und sich immer wieder zeigt.“

Viele reagieren erst auf massiv spürbare körperliche Symptome: Kopfschmerzen, Rücken- und Nackenschmerzen, Magenschmerzen aber auch Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit, Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit können Anzeichen von Überforderung sein. „Ohne etwas zu verändern werden diese Reaktionen nicht nachlassen. Es kann schon helfen, kürzer zu treten und sich eine Auszeit zu nehmen“, erklärt Katharina Marek-Baudisch. Wenn sich der Zustand nicht bessert oder sogar schlimmer wird, sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Diese innere Leere, das „nicht mehr Können“ kann zu dem so genannten „Burnout-Syndrom“ werden. „Dieser Zustand ist ernst zu nehmen und kann im schlimmsten Fall sehr bedrohlich werden. Neben einer stationären Aufnahme unterstützen niedergelassene Fachärzte sowie PsychotherapeutInnen in dieser Situation“, weiß die Beraterin.

Als Laie kann man helfen, indem man zur Beratungsstelle mitgeht oder zumindest einen Termin vereinbart – aber nur, wenn Betroffene das wünschen. Die Expertin rät dringend davon ab, selbst „Therapeut“ zu spielen: „Es ist in Ordnung, Gespräche anzubieten darüber hinaus sollten aber trotzdem Experten hinzugezogen werden. Sie schauen gemeinsam mit den Betroffenen: Was kann jetzt hilfreich sein? Wo sind die Ressourcen? Was gibt einem Kraft? Wie kann man den Blick nach Vorne richten und weiter planen? Was sind die nächsten Schritte? Was können Ziele sein? Was ist der Notfallplan? Die Beziehungsarbeit zwischen Berater und Klient ist dabei sehr wichtig.“ Betroffene können sich wochentags an die Experten der österreichischen Familienberatungsstellen wenden sowie an Wochenenden und Feiertagen an die Kriseninterventionsstellen und Akutorganisationen. Diese sind von dem jeweiligen Bundesland aus u.a. über 144 zu erfragen.