Kind vor Wandtafel mit Zahlen

Ich habe Angst, zu versagen …

Ich habe Angst, zu versagen …   Angst ist ein Thema, das uns alle betrifft: Wenn bedrohliche Situationen auf uns zukommen, erlebt jeder Mensch diese völlig normale Reaktion. Der eine mehr, der andere weniger. Jelena Stojanovic, Psychologin und Beraterin in der Beratungsstelle VIELE dazu: „Ängste sind sehr oft in Zusammenhang mit Leistung da – wenn man bewertet wird. Es kommt hier die innere Einstellung zum Tragen: die Selbstbewertung und die Glaubenssätze.“ Je höher die Ansprüche an sich selbst seien, umso größer sei die Angst. „Es ist sehr individuell, wie Menschen dann mit diesem Druck umgehen.“ Gesteigert werde diese Reaktion durch das Ausmaß der möglichen Konsequenzen. Müsse man etwa eine Prüfung unbedingt schaffen, um einen nächsten Schritt gehen zu können, so könne das schon enorme Ängste auslösen.

Die Beraterin hilft dann ihren Klienten und Klientinnen dabei, die möglichen Konsequenzen zu relativieren. „Es gibt immer noch andere Optionen und die Welt geht keinesfalls unter. Es gilt dann, die Möglichkeiten im Falle des Scheiterns auszuloten und sich auf diesen Fall vorzubereiten.“ Hilfreich könne auch sein, die jeweilige Prüfungssituation bereits im Kopf durchzugehen und sich auf alle möglichen Szenarien vorzubereiten. Was erwartet mich dort? Was kann schlimmstenfalls passieren?

Weiters sei es wichtig, den Selbstwert vom Geschehen unabhängig zu machen: „Ich bin gut, egal ob ich das jetzt schaffe, oder nicht.“ Außerdem sei die Angst ja auch der Motor, dranzubleiben und alles möglichst gut zu bewältigen. So gesehen solle man sie akzeptieren und annehmen lernen. Auch die Familie kann unterstützen. Wenn es etwa um Kinder geht, die unter Prüfungsangst leiden, so können Eltern mit Ritualen oder Gegenständen helfen, die Sicherheit bringen. Dazu Stojanovic: „Es kann sehr beruhigend sein, mit den Kindern die Prüfungssituation durchzusprechen und ihnen hilfreiche Gedanken mitzugeben, die sie aufbauen und unterstützen. Und dabei gilt es, möglichst ihr Selbstwertgefühl zu stützen: Du bist toll, du kannst das. Auch wenn es schiefgeht.“ Wenn Sie selbst oder ein Angehöriger mit Ängsten zu tun haben, kann ein kostenfreies Beratungsgespräch in einer der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen sehr hilfreich sein.