Kind sagt Nein zu Gewalt

Ich habe als Kind Gewalt erlebt, wie kann ich es als Elternteil besser machen?

Eltern, die in ihrer Kindheit körperliche Übergriffe erlebt haben, wollen das meist ihrem eignen Nachwuchs ersparen. Gewalt in jeglicher Form soll vermieden werden. Doch dann passiert es: Müde vom Tag, gestresst von der Arbeit oder aus anderen Gründen gereizt rutscht die Hand aus … Die Ernüchterung ist schmerzhaft. 

„Wenn man dazu neigt, in gewissen Situationen impulsiv zu reagieren und aggressiv oder gewalttätig zu handeln, dann ist Einsicht der erste Weg zur Besserung. Das heißt, das eigene Bewusstsein für dieses Muster zu schärfen und selbst die Entscheidung zu treffen, etwas daran verändern zu wollen. So kann ein Mensch seine Verhaltensweisen hinterfragen und eigenverantwortlich Alternativen suchen und entwickeln“, sagt Mag. Birgit Leitner von der Familienberatungsstelle von AVALON – Verein für soziales Engagement www.verein-avalon.at. 

Ist man selbst geschlagen worden, interpretiert man bestimmte Situationen eher als bedrohlich und feindselig und reagiert schnell aggressiv. „Studien zeigen, dass Menschen, die in ihrer Kindheit familiäre Gewalt erlebt haben oder mitansehen mussten, eher dazu neigen, Gewaltausübung als Mittel zur Konfliktlösung zu wählen.“, erklärt die Psychologin.  

Die Neigung zu Gewaltbereitschaft ist auch davon abhängig, ob es Menschen gelingt, trotz negativer Erfahrungen in der Kindheit in späteren Lebensphasen positive Bindungen aufzubauen. Diese guten Beziehungen können als Lernmodelle und Übungsflächen für andere, konstruktivere Formen der Konfliktregelung dienen. 

Das soziale Umfeld, das Menschen außerhalb ihrer Ursprungsfamilie haben, spielt somit eine wichtige Rolle. Besonders in gleichaltrigen Gruppen während der Kindheit und Jugend entstehen Werte, Normen und Verhaltensweisen, die übernommen werden. Herausforderungen, die einem Kind durch das Zusammenleben mit gewalttätigen primären Bezugspersonen begegnen, können so entweder verstärkt oder abgemildert werden. 

„Die Familienberatung kann dabei unterstützen, das eigene Verhalten zu reflektieren, Trigger, also Auslöser, zu identifizieren, aggressive Reaktionen zu kontrollieren sowie neue, alternative Reaktionsweisen auf gewaltauslösende Situationen zu erarbeiten“ so die Expertin.  

Weitere wesentliche Ziele, die im Rahmen einer Familienberatung in der Folge angestrebt werden, sind die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins, die Verbesserung der Konfliktfähigkeit, die Erhöhung der Frustrationstoleranz und das Erlernen und Verbessern sozialer Kompetenzen.