Ich bin todkrank – wie sage ich es meinem Kind?

Ein Schicksalsschlag wie eine tödliche Krankheit muss erst mal verkraftet werden. „Wichtig ist, dass der Betroffene selber darüber reden kann und erst dann seine Kinder mit einbezieht.“, weiß Mag. Christine Daxner-Genger, Psychotherapeutin für systemische Therapie und Familientherapie von der Beratungsstelle Zellkern Linz.

„Wählen Sie für das Gespräch einen ruhigen Zeitpunkt, zum Beispiel Samstagmorgen. Ihr Kind hat so genügend Zeit das Gesagte zu verdauen und kann anschließend Fragen stellen.“, so die Beraterin. „Erklären Sie ihrem Kind mit einfachen Worten, was passiert ist. Planen Sie kurze Gespräche, dafür öfter. Erklären Sie genau, wie es weitergehen wird und warum. Ganz wichtig: Betonen Sie immer wieder, dass das Kind nicht Schuld an der Krankheit des Elternteils ist.“ Man dürfe dabei auch die eigene Trauer zeigen, jedoch nicht das Kind zum Tröster machen. Wörter wie: Krebs, Chemotherapie,… sollen dabei ausgesprochen werden, da die Gefahr besteht, dass das Kind dies von Außenstehenden erfährt.  „Möglichst ehrlich sein – die Kinder spüren ohnehin, dass etwas los ist.“

Bei kleineren Kindern kann auch ein Helfer wie eine Handpuppe oder ein Kuscheltier zum Einsatz kommen. Im Kindergartenalter ist es auch sinnvoll, die Pädagoginnen einzuweihen, damit diese auf das Kind besonders Rücksicht nehmen und mit möglichen Materialien wie Geschichten positiv einwirken können. Daxner-Genger empfiehlt hier beispielsweise das Buch „Leb wohl lieber Dachs“. „Wenn ihre Kinder schon älter sind, eignen sich auch konkrete Geschichten über das Sterben, Gebetbücher oder ein Besuch am Friedhof.“, so die Beraterin. Auch enge Bezugspersonen sollen eng miteinbezogen werden, falls diese dazu bereit sind.

Jugendliche neigen dazu, ihre Gefühle und Sorgen mit anderen Menschen zu teilen oder verarbeiten das Geschehen mit Musik oder Texten. Zusätzlich gibt es Angebote wie Selbsthilfegruppen. „Wichtig ist, dass Sie für ihre Kinder da sind. Drängen Sie nicht und lassen Sie zu, was passiert“.

Die Reaktionen des Nachwuchses können sehr unterschiedlich ausfallen: Von gar keiner über ruhig bis hin zu aggressivem Verhalten. Manche Kinder wollen nicht mehr zur Schule gehen oder verfallen in alte Muster, wie Babysprache oder einnässen. Daxner-Genger dazu: „Nehmen Sie diese Beschwerden ernst, bleiben sie in Kontakt mit ihrem Kind. Auch Gesten können signalisieren, dass man da ist. Ziehen sie, falls nötig, Hilfe in Betracht – es kann sein, dass ihr Kind in dieser Phase mit Ihnen nicht sprechen kann. Versuchen Sie auch so gut wie möglich ihren Alltag weiterzuführen, Rituale beizubehalten und geben Sie Ihrem Kind das Gefühl von Sicherheit.“

Falls man als Elternteil mit dieser Situation überfordert ist, kann man auch professionelle Hilfe für sich und das Kind in Anspruch nehmen und sich an eine der zahlreichen Beratungsstellen in ganz Österreich wenden.