Mann richtet sich Krawatte

Ich bin nicht schön genug für guten Sex …

Zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß – Cornelia Lindner, Sozialarbeiterin, Sexualberaterin und Beckenbodentrainerin bei der Beratungsstelle Nanaya, Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern, hat immer wieder mit Menschen zu tun, deren Lust auf Körperlichkeit mit einer Partnerin/einem Partner beeinträchtigt ist, weil sie ihren Körper nicht mögen. Die Gründe sind unterschiedlich: „Gewicht und das Gefühl, zu dick zu sein, ist das häufigste Thema. Und es sind nicht nur Frauen, die sich schämen, wenn sie sich ausziehen – es sind durchaus auch viele Männer, die sich nicht schön oder unzureichend finden und daher weniger Lust auf Sex haben.“ Denn das Gehirn und die Psyche seien für unsere Libido hauptverantwortlich.

„Obwohl sich oft herausstellt, dass das eigene Unwohlsein für den Menschen, den man liebt, gar kein Thema ist und sie oder er diesen subjektiv empfundenen Makel gar nicht als solchen empfinden.“ Doch das würde oft nicht helfen, denn man muss sich selbst lieben, um geliebt werden zu können und letztendlich auch, um im Bett Erfüllung zu finden.

Ein wichtiger Schritt könne laut der Beraterin sein, sich mit dem Körper wieder neu zu „vernetzen“: „Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Körper. Ganz banal: Cremen Sie ihn liebevoll ein, befühlen Sie sich und schauen Sie sich auch an.“

Oft stünde man mit Körperregionen, die man nicht so mag, viel zu wenig in Kontakt und könne sie gar nicht richtig wahrnehmen.

„Man fühlt sich beispielsweise sehr dick, wenn man sich dann aber angreift, begreift man viel besser die tatsächlichen Ausmaße, die oft weniger ausladend sind als man denkt“, so Lindner.

Dieses Wohlfühlprogramm der besonderen Art sollte man Schritt für Schritt angehen und die liebevolle, wertschätzende Beziehung zu sich selbst langsam aufbauen. Denn das Gehirn brauche eine gewisse Zeit, um diese Vernetzungen wieder herzustellen.

Eine weitere Maßnahme ist laut der Therapeutin der Medienkonsum: „Überdenken Sie, was Sie sich ansehen auf den sozialen Medien und Co. Die Jungmutter, gertenschlank oder andere retuschierte Supermodels fördern nicht gerade die positive Selbstwahrnehmung.“

Mittlerweile gibt es genügend „Body Positivity Plattformen“, auf denen man besser aufgehoben ist und die zeigen, wie wir Menschen tatsächlich aussehen.

Wer zu dem Thema mit einem Profi sprechen möchte, wendet sich am besten an eine Beratungsstelle. Die Termine sind kostenfrei – mittels der Suchfunktion auf unserer Website finden Sie Kontaktadressen in Ihrer Nähe.