Betrübter Mann im Wald

Ich bin gescheitert

Wir leben in einer Gesellschaft, die davon ausgeht, dass scheinbar alles geht. Das man jedes Ziel erreichen kann, wenn man nur wirklich will, wenn man kämpft. Wer nicht aktiv daran arbeiten will, bestellt das Erwünschte einfach im Universum …

Elsa Zivny ist Psychotherapeutin und arbeitet als Beraterin bei der Familienberatungsstelle Am Schöpfwerk: „Selbstoptimierung ist ein großer Trend. Jeder soll das Beste aus sich herausholen und davon hängt oft der Selbstwert ab.“ Wenn dann etwas nicht gelingt, seien es kurz- oder langfristige Ziele, beginnt man an sich selbst zu zweifeln, fragt sich, was mit einem selbst nicht in Ordnung ist. Oft auch, weil andere im Umfeld Dinge – so meint man – besser auf die Reihe kriegen als man selbst. „In Wahrheit hat jeder sein Pinkerl zu tragen. Oft hilft es schon, bei den scheinbar perfekten Menschen genauer hinzuschauen und dann entblättert sich die heile Welt“, so die Beraterin.

Die innere kritische Stimme würde oftmals schon in einem ewig kritisierenden Elternhaus geprägt. Dazu Zivny: „Therapeutisch würde man sagen: Entwickeln und üben Sie für sich selbst eine gute, freundliche Elternstimme. Der innere, positive Dialog würde den Druck nehmen. Mit Sätzen wie „OK – heute/diesmal hat es nicht geklappt, aber vielleicht morgen.“ könne man sich gut beruhigen. Dies müsse aber geübt werden und ist oft ein längerer Prozess.

In einer Beratung könne man darüber hinaus mit einem Profi reflektieren, welche Form der Selbstfürsorge in Situationen der Verzweiflung über ein Scheitern helfen können. Es könne beispielsweise schon erleichternd sein sich vorzustellen, was eine gute Freundin, eine guter Freund dazu sagen würde. Auch ausweinen, Geduld haben und auf das Positive schauen sind Strategien, die zu einem eine neue Richtung weisen.

Wer glaubt, gescheitert zu sein und Hilfe sucht, kann sich kostenfrei in einer der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen einen Termin vereinbaren.