Kinder am Computer der Eltern

Herausforderung Home-Office im Familienkreis

Derzeit stehen Familien vor einer für viele ungewohnten Herausforderung: Berufliche Aufgaben müssen aus dem Home-Office erledigt werden und dies oft unter erschwerten Bedingungen. „Je nach Alter der Kinder und deren Bedürfnissen kann die Organisation des Home-Office zu einer echten Herausforderung werden – insbesondere dann, wenn die Räumlichkeiten beengt sind“, weiß Dr. Gabriele Paar, Medizinerin, Psychotherapeutin und Beraterin im Netzwerk Familienkompetenz. „Kleine Kinder müssen bei Laune gehalten werden, der Lärmpegel muss in erträglichem Maße bleiben und Alleinerziehende können nicht einmal Aufgabenteilung praktizieren.“ Da helfe nur eine vernünftige Tagesstruktur, innerhalb der man klare Arbeitszeiten vereinbart.

Dies klingt zwar in der Theorie wunderbar, kann sich in der Praxis jedoch als gar nicht so einfach herausstellen. Dazu Paar: „Setzen Sie sich regelmäßig zusammen, besprechen Sie mögliche Verbesserungsschritte und drehen Sie gemeinsam am einen oder anderen Schräubchen, um bestmöglich die Bedürfnisse jedes einzelnen Familienmitglieds zu erfüllen.“ Auch kleineren Kindern könne man schon erklären, dass der Alltag momentan anders laufen muss als gewohnt.

Vor allem wichtig sei, dass man sich vor möglicher Überforderung schützt. „Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man die Möglichkeit einer externen Betreuung das eine oder andere Mal nutzt, bevor alles eskaliert“, rät die Expertin. Auch die Medienzeiten der Kinder und andere sonst strenger geregelte Erziehungsmaßnahmen dürften gelockert werden, wenn es für die Gesamtstimmung nötig sei.

Paar: „Das Wichtigste: Erlauben Sie sich, nicht perfekt sein zu müssen. Schrauben Sie Ihre Ansprüche zurück. Jeder ist jetzt gereizt und angespannt – da kann man keine Höchstleistungen vollbringen.“ Die Psychotherapeutin empfiehlt auch Selbstfürsorge im Sinne von Auszeiten, die Druck nehmen und entspannend wirken: „Finden Sie Pausen, grenzen Sie sich ab. Selbst wenn es nur 20 Minuten alleine unter der Dusche sein sollten.“

Kleine Freuden, die man einander bereitet, sorgen ebenfalls für gute Stimmung. Ein gemeinsamer Spieleabend, Essen bestellen, Zuwendung, körperliche Nähe – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, aus der krisenbedingten Stressspirale herauszutreten.

Wer den Austausch mit einem Profi sucht, kann dies jederzeit telefonisch oder auch per E-Mail in einer österreichischen Familienberatungsstelle tun – und das kostenfrei. Denn soziale Kontakte und Gespräche sind in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Jemand von außen hat möglicherweise Inputs, auf die Sie im engen Kreis nicht kommen würden.