Helikoptereltern: Wie viel Kontrolle ist zu viel, wie viel zu wenig?

Der Begriff der Helikoptereltern ist in den vergangenen Jahren in den Medien aufgetaucht und steht für Eltern, die ihre Kinder bildlich gesprochen ständig umkreisen, sie zu sehr kontrollieren, ihnen kaum Eigenverantwortung überlassen. Es kann schwierig sein, das richtige Maß zu finden. Laut Dr. Karin Urban, Psychologin und Geschäftsführerin des Zentrums für Ehe- und Familienfragen, haben auch die neuen Medien eine weitere Möglichkeit geschaffen, Kinder – wie sie es bezeichnet – an der „virtuellen Nabelschnur“ zu halten. „Die Abnabelung der Kinder muss schrittweise erfolgen. Es muss ihnen erlaubt sein zu probieren und kindgerechte Fehler zu machen. Wenn Eltern dies durch Überbehüten verhindern, kann das zu mangelndem Selbstvertrauen und Überängstlichkeit führen“, so die Expertin.

Oftmals seien es die eigenen Ängste, welche auf die Kinder projiziert werden: „Versuchen Sie, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Vorbehalte zu reflektieren und zu lernen, damit umzugehen. Ihre Töchter und Söhne können nur Eigenverantwortung lernen, wenn Sie auch eigenverantwortlich handeln dürfen.“ Ein Rat der Psychologin: „Bedenken Sie – die Verhinderung von Schmerz oder Vermeidung von Enttäuschung ist nicht immer möglich. Eltern können nicht allem vorbeugen, den Kindern nicht alles aus der Hand nehmen. Eigene Erfahrungen sind für die Entwicklung enorm wichtig.“ Hilfreich sei, sich das „Worst Case“ Szenario zu überlegen – was kann also im schlimmsten Fall passieren. Damit könne man Sorgen relativieren. Am wichtigsten sei, mit dem Nachwuchs eine gut Gesprächsbasis zu finden, die eigene Sorgen wohlwollend darstellt und die zulässt, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Ängsten gerne zu ihren Eltern kommen. Vor allem, wenn es im Jugendlichenalter um Themen rund um Sexualität, Schwangerschaften etc. geht.

Ein weiteres Helikopter-Eltern Thema sei, dass unbewusst versucht wird, den Wunsch nach der eigenen Erfolgsgeschichte über die Kinder zu verwirklichen . Dies müsse man überprüfen und den Druck, der dadurch entsteht, herausnehmen.  „Denken Sie immer daran, Ihr Kind hat eigene Ideen, will seine Talente leben und will nach eigenen Vorstellungen lernen dürfen.“

Wenn Kinder über lange Zeit typischen Helikopter-Eltern ausgesetzt sind, können sich dadurch Eigenschaften bilden, die für ihr weiteres Leben blockierend sind. „Solche Kinder haben oft wenig Durchsetzungsvermögen, blieben gerne im Hintergrund und gerne lange im Hotel Mama“, erklärt Urban.

Wenn Sie unsicher sind und reflektieren wollen, ob Sie mit Ihren Erziehungsstrategien richtig liegen, steht Ihnen gerne eines der zahlreichen Familienberatungsinstitute zu einem kostenfreien Erstgespräch und weiterer Unterstützung zur Verfügung.