Schwangere Frau mit Vater und Sohn auf Bank

Ein Halbgeschwisterchen wird erwartet

Wenn Partner ein Kind erwarten und es Kinder aus einer vergangenen Beziehung gibt, ist es oft gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um diesen die neue Situation mitzuteilen.

„Der richtige Zeitpunkt ist eigentlich immer“, weiß Dr. Friedrich Ebensperger, klinischer Psychologe, Psychotherapeut und Geschäftsführer des "Pflegeelternverein Steiermark". Wenn ein Paar ein Kind erwartet und vor der Aufgabe steht, dies bestehenden Kindern aus Vorbeziehungen mitzuteilen, spielt das Alter vor allem dann eine Rolle, wenn es um Art und Umfang der Information geht. Besonders einfach sei es wohl, wenn die Kinder noch unter fünf Jahren alt sind. In diesem Alter wird der neue Familienzuwachs nämlich kaum als bedrohlich erlebt. „Neugierde überwiegt und die Kinder können sich negative Konsequenzen gar nicht vorstellen.“

Etwas komplizierter wird es, wenn die Kinder beginnen drüber nachzudenken, ob für sie wohl noch genug Platz und Zeit sein würde in dem neuen Familiengefüge. Dazu Ebensperger: „Natürlich sollte man versuchen, die richtigen Worte zu finden. Noch wichtiger ist jedoch die sogenannte Handlungssprache. Was man also tut und ob man Besuchzeiten weiterhin einhält, gemeinsame Rituale und dass sich auch  am gemeinsamen Erleben wenig ändert.“ Kindern geht es dann mit der neuen Situation gut, wenn sie das Gefühl haben, dass es sich für sie nicht negativ auswirkt. „Wenn es Tränen gibt, ist immer die Frage nach der Beziehungssicherheit des Kindes zu stellen. Hier muss im individuellen Fall geklärt werden, wie auf die Verunsicheurng reagiert werden kann.“

Kompliziert werden könne es laut Ebensperger aber auch dann, wenn die alten Beziehungsgeflechte der Erwachsenen nicht ausreichend positiv gelöst sind. Wenn sich die ehemaligen Partner also nicht im Guten voneinander getrennt haben und es zu „emotionalen Verstrickungen“ kommt. „In solchen können sich die Kinder dann ebenfalls leicht verfangen.“, weiß Ebensperger. In diesen Situationen kann man sich in einer Beratungsstelle Rat holen. Sowohl, was die Klärung der Beziehung unter den Erwachsenen betrifft, als auch den Umgang mit den Kindern. In diesem Fall macht es sicherlich Sinn, wenn sich möglichst alle beteiligten Erwachsenen beraten lassen und sich dann über die weitere Vorgangsweise einig sind.