Viele bunte Bonbons

Haben wir zu viel von allem?

Überfluss und Hedonismus, aber trotzdem nicht glücklich? Die Grundbedürfnisse sind meist gesättigt: man hat ein Dach über dem Kopf, eine ausreichende medizinische Versorgung, Nahrungsmittel zur Verfügung und, und, und. Es fehlt an nichts, alles ist im Überfluss da. Viele Menschen sind verwöhnt und die alltäglichen Dinge im Leben sind oft durch die Übersättigung an Reizen und Materiellem nichts mehr wert. Victoria Maringgele, klinische Psychologin und Beraterin bei der Sexualberatungsstelle Salzburg hat mit Menschen zu tun, die im Überfluss leben und trotzdem nicht glücklich sind. „Auf die Frage, ob man auch mit weniger auskommen kann um glücklich zu sein, kann ich nur antworten: selbstverständlich! Allgemeingültige Regeln, wie ein Leben gestaltet sein soll, damit man zufrieden ist, gibt es nicht.“ Wichtig sei, dass der oder die Einzelne lerne zu reflektieren und sich selbst Gedanken darüber macht, was ihm oder ihr gut tut – und wie viel davon ihn oder sie wirklich glücklich macht und auch ausreicht.

Die Beraterin empfiehlt: „Im Sinne der Selbstfürsorge sollte man sich auch beschenken, sich eine Freude machen, darauf achten, was man wie braucht. Es ist sicher nicht für jeden sinnvoll etwas zu sammeln oder die Wohnung gemütlich mit vielen Polstern, Lampen und schönen Bildern auszustatten. Allerdings macht es manchen Menschen große Freude. Es kann den Einzelnen sehr viel geben und ihnen helfen, sich vom oft stressigen Alltag zu erholen.“ Wenn Hilfesuchende in die Beratungsstelle kommen und laut Eigeneinschätzung von Materiellem nicht genug bekommen, ständig unzufrieden sind und sich trotz allem Luxus nie satt fühlen, geht Maringgele mit ihnen in Gesprächen auf die Suche. Was fehlt eigentlich? Was sucht die Person und was deckt sie mit den Kaufräuschen ab? Oft ist es eine unsättigbare Leere – die gilt es zu ergründen. Dies kann sehr gut in Beratungsgesprächen angeleitet werden.

Auch den derzeit in den Medien besprochenen Trend zum Minimalismus spricht die Beraterin an: „Das ist ja wieder nur eine allgemeine Regel, der man sich fügen kann oder soll. Individuelle Lösungen sind gefragt, wichtig ist selbst zu ergründen, was man braucht und was glücklich macht.“ Zahlreiche österreichische Familienberatungsstellen bieten Betroffenen die Möglichkeit, sich über ihre wahren Wünsche auszutauschen und zu erforschen, was für jemanden persönlich selbst wichtig ist. Sie sind jederzeit zu einem kostenfreien Gespräch willkommen.