Verängstigtes Kind. Schatten von einem erwachsenen Mann, der die Hand auf das Kind hebt.

Grober Umgang mit Kind – Grenze zu Gewalt

 

Gewalt gegen Kinder kann verschiedene Formen annehmen. Über die Relation Täter-Opfer, die Bedeutung von gewaltfreier Erziehung und die Auswirkungen auf die Psyche von Erwachsenen, die früher missbraucht wurden, erzählt Frau Dr. Angela Kröpfl, Erziehungswissenschafterin, Sonder- und Heilpädagogin, Mediatorin vom  Kinderschutzzentrum Rettet das Kind BGLD.

Körperliche Gewalt ist vielleicht die am häufigsten thematisierte, da sie am eindeutigsten festzustellen ist. Schläge, Würfe gegen die Wand oder Stichverletzungen hinterlassen sichtbare Spuren. Zeichen seelischer Gewalt, wie Demütigung, Verspotten, Erniedrigung sowie Vernachlässigungen oder sexueller Missbrauch finden genauso statt, sind aber deutlich schwieriger zu beweisen. Eine Ohrfeige fällt unter „körperliche Gewalt“ aber wann ist das bloße Schimpfen mit dem Kind schon seelische Gewalt? Die Grenzen tendieren zu verschwimmen. Grundsätzlich gilt es Gewalt abzulehnen, so Dr. Kröpfl. Man sollte als Erzieher immer

das Wohl des Kindes vor Augen haben und wenn man in diesem Sinne einmal die Stimme hebt, ist es daher nicht unbedingt falsch. Im Gegensatz dazu ist jede Handlung, die auf die Zerstörung des Selbstwertgefühls des Kindes abzielt, eine Form von seelischer Gewalt und daher abzulehnen. Häufig führen Überforderung, finanzielle Probleme und Stresssituationen in Familien zu einem hohen Konfliktpotenzial und zu Gewaltverhalten in Bezug auf die Kinder. In der Beratungsstelle können Erziehungsfehler angesprochen werden, dort wird versucht Lösungen und Handlungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen.

Obwohl Gewalt am häufigsten in der Familie oder im familiären Umfeld stattfindet, kann man sie auch auf dem Schulhof, im Heim oder Internat vorfinden. Dank der Präventionsarbeiten an Schulen, trauen sich Kinder mehr und mehr darüber zu sprechen. Symptome, die bei missbrauchten Kindern auftreten sind unter

anderem Angststörungen, Bettnässen, Schlafstörungen, Bauch- und Kopfschmerzen, Leistungsabfall, oft sogar Rückfall in eine frühere Entwicklungsstufe, übersexualisiertes Verhalten, Essstörungen, Suizidgedanken, Verletzungen im Genitalbereich, Störungen im Hygieneverhalten etc.. Die Ursachen von Gewalt entwickelt sich aus der Interaktion zwischen Familienmitgliedern sowie Familie und sozialem Umfeld. 

Misshandelnde Eltern werden in klinischen Studien oft als unsicher, depressiv, ängstlich, unzuverlässig und impulsiv beschrieben. Ohnmachtsgefühle und Machtdemonstrationen stehen bei ihnen im Vordergrund. Nicht zu unterschätzen ist auch der Zusammenhang zwischen eigenen Gewalterfahrungen in der Kindheit und Gewaltausübung im Erwachsenenleben. Entweder man möchte die Kinder so erziehen wie man selbst erzogen wurde, weil man es im Nachhinein als gut empfindet, oder ganz im Gegenteil.

Das Trauma das durch Missbrauch in der Kindheit entsteht, trägt man ein Leben lang in sich. Gewalterfahrungen kann man nicht löschen, jedoch bieten Beratung und Therapie die Möglichkeit das Erlebte zu verarbeiten.