Gewalttrauma einer nahestehenden Person

Gewalttrauma einer nahestehenden Person

Wann spricht man eigentlich von Gewalt oder einem gewalttätigen Akt? Hier gehen die Meinungen in der Gesellschaft stark auseinander. Für den einen gehört die sogenannte „g’sunde Watschen“ zur Erziehung dazu, für den anderen ist es kaum vorstellbar, seinem Kind auch nur ein Haar zu krümmen. „Fakt ist: Jeder Mensch empfindet Gewalt anders. So kann auch schon ein leichter Klaps auf den Hinterkopf oder ein Ohren-langziehen zu einer Traumatisierung des Kindes führen“, so Mag.a Gabriele Schick, Psychotherapeutin in der Beratungsstelle BASIS Frauenservice und Familienberatung Außerfern.

Die Kindheit sei häufig der Ursprung für später beginnende Traumata. Mobbing, körperliche Gewalt, sexuelle Nötigung oder verbale Angriffe und Beschimpfungen können als Auslöser fungieren. Die Folgen seien meist, aber nicht immer Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, Depressionen oder permanente Angstzustände. Die betroffenen Personen könnten auch zu erhöhtem oder plötzlichem Alkohol- und Drogenkonsum, Essstörungen oder einer Medikamentenabhängigkeit neigen.

Ein Gewalttrauma ist für die betroffene Person sehr schwierig zu verarbeiten und auch für nahestehende Personen oft eine große Belastung.
Angehörige fragen sich oft, wie sie zur Genesung beitragen können. Hier seien Empathie und Wertschätzung sowie das Bewahren der Alltagsstruktur sehr wichtig. „Zeigen Sie Mitgefühl, aber kein Mitleid. Denn in dem Moment, wo Sie mitleiden, sind Sie nicht mehr hilfreich für die Person“, so die Expertin.  Viele hätten dann das Gefühl nicht genug geben zu können, vergessen dabei aber, dass sie auch nur Menschen sind und überfordern sich selbst. Man kann nie Therapeut/in und Partner/in gleichzeitig sein.

Am besten sei es, mit dem/der Betroffenen offen über deren Bedürfnisse zu sprechen und auch die eigenen Bedürfnisse so wenig wie möglich zu vergessen. „Vor allem als Lebenspartner/in ist es wichtig, dass man klare Grenzen definieren lernt, was will die Person und was nicht, wie weit kann ich gehen?  Das Time-out kann ein Codewort oder auch eine simple Geste sein“, meint die Beraterin. Trotzdem müsse man damit rechnen, dass eine bestimmte Art von Berührung, körperlich wie verbal,  zu einer zurückschreckenden Reaktion führen kann. In diesem Fall reagiert ein bestimmter Teil im Gehirn und die „Alarmanlage“ im Kopf startet das Notfallprogramm und kann zu einer Starre und Ablehnung führen, die der/die Betroffene nicht beabsichtigt und auch nicht immer kontrollieren kann. Solche Flashbacks sind Erinnerungen wie Warnschilder, die sagen „schütze dich“.  Hier kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung aktivieren.

Viele Menschen wenden sich bei einer Überforderung mit dem Leid des Partners/ der Partnerin auch an Telefonhotlines oder nutzen die sozialen Medien und Foren zur Verarbeitung. Unterstützend solle auch eine Beratung/Therapie in Erwägung gezogen werden. Einerseits als Paar, aber auch getrennt.

Gewalt zeigt sich in den verschiedensten Formen, ob psychisch, physisch oder verbal, es ist jedes Mal ein einschneidendes und lebensveränderndes Erlebnis für die Betroffenen und Angehörigen. In jedem Fall können Sie sich bei Bedarf an eine der österreichischen Beratungsstellen wenden.