Kleiner Bub mit blauem Auge hält sich nur schweigend die Hand vor den Mund.

Gewalt: Zivilcourage nötig!

Wer Gewalt beobachtet, muss einschreiten. Vor allem bei Gewalt an Kindern. Fürs Wegschauen gibt es keine Ausrede. Man ist sogar gesetzlich verpflichtet, zu helfen. Für manche ist diese Zivilcourage selbstverständlich, anderen wiederum fällt sie schwer...

„Vielen ist es unangenehm, Täter zu konfrontieren“, so Mag. Theresia Zottel. Sie leitet die Familienberatungsstelle des Vereins Avalon in Liezen und weiß: „Je näher man einander kennt, umso schwerer fällt es. Wer wegschaut, weil er persönliche Beziehungen schützen möchte, sollte aber bedenken: Solange man wegschaut verändert sich nichts...“

Mag. Theresia Zottel rät als ersten Schritt auf die Opfer zuzugehen und Hilfe anzubieten. Wichtig: Nie den Täter zuerst ansprechen. Diese setzen das Opfer sonst noch mehr unter Druck. Wer sich schwer tut, etwa weil er den Täter als Freund, Bekannter oder Nachbar persönlich kennt, kann Hilfe von außen holen: „In kleinen Gemeinden auf dem Land kann man sich an örtliche Beratungsstellen wenden, die unterstützen. Bei Kindern von befreundeten Personen kann man z.B. eine Lehrerin informieren – diese stehen im regelmäßigen Kontakt mit dem Kind und können mehr bewirken“, erklärt die Expertin.

„Wird man als Pädagoge informiert, oder hat man selbst den Verdacht, dass ein Kind Gewalt erlebt, sollte man es zunächst beobachten. Um eine Vertrauensbasis aufzubauen kann man es persönlich ansprechen: ‚Ich bin da. Du kannst zu mir kommen, ich helfe dir.’ Das Kind muss lernen, dass Gewalt nicht in Ordnung ist. Bei dieser Aufklärung unterstützen Sozialarbeiter an den Schulen. Wenn betroffene Kinder anfangen zu sprechen, sollten Lehrer nicht im Alleingang agieren und Vorgesetzte informieren. Je nach Lebenssituation des Kindes können sie dann Hilfe durch Fachpersonen der Familienberatungsstellen oder Kinder Gewaltschutzzentren hinzuziehen.“

Findet Gewalt auf offener Straße statt, sei es zunächst wichtig, die Situation einzuschätzen, um sich nicht selbst zu gefährden: „Man sollte versuchen, möglichst ruhig zu bleiben und andere Passanten als Zeugen miteinzubeziehen – idealerweise Männer, wenn der Täter ein Mann ist. Passanten können helfen und bei Bedarf die Polizei rufen.“

Wenn Opfer abweisend reagieren, wollen sie dem Täter Loyalität zeigen. Kinder tun das weil sie denken Gewalt sei „normal“ und sie seien selbst schuld. Außerdem haben sie Angst davor, ihre Eltern zu verlieren. Erwachsene befürchten, dass Beziehungen oder Familien in die Brüche gehen. „Die Entscheidungen von erwachsenen Opfern sollte man akzeptieren und sich nicht gegen ihren Willen einmischen“, rät Mag. Theresia Zottel. „Nur Experten können hier helfen: Die Familienberatung kann psychosoziale Beratung und Begleitung leisten, Opfer stabilisieren und ihren Selbstwert aufbauen. Zur Aufklärung über Wegweisung und Einstweilige Verfügung oder zur Prozessbegleitung stehen juristische Fachpersonen im Hintergrund.“

Die österreichischen Familienberatungsstellen leisten zudem Öffentlichkeitsarbeit: Die Berater informieren u.a. in Schulen über die Formen der Gewalt, machen bewusst dass Gewalt nie okay ist und klären auf, wo Betroffene Hilfe finden.