Frau verängstigt

Gewalt – Partner

Eine Auseinandersetzung zwischen Partnern ist dann etwas völlig Normales, solange sich die Partner auf Augenhöhe begegnen. In diesem Sinne ist ein Streit eine Auseinandersetzung zwischen zwei gleichberechtigten Partnern zur Klärung eines Interessenkonfliktes. Ein Ungleichgewicht entsteht dann, wenn ein Partner den anderen dominiert und Druck auf ihn ausübt. Das Streben nach Macht und Kontrolle kennzeichnet die Täter, erklärt Frau Mag.a Michaela Trapl, Rechtsberaterin, Autonomes Frauenzentrum Linz.

Wenn Wettkampf anstelle von Partnerschaft, Feindseligkeit anstelle von Wohlwollen und Kontrolle anstelle von Intimität und Vertrauen stehen, sollte man die Qualität der Partnerschaft hinterfragen. Gewalt kann nämlich verschiedenste Formen annehmen. Opfer nehmen körperliche und sexuelle Gewalt im Gegensatz zu psychischer, sozialer und finanzieller Gewalt, meist eindeutiger als solche wahr.  Oft will das Opfer die Gewalt selbst nicht wahrhaben und verdrängt sie. Entscheidet sich das Opfer Hilfe zu suchen, kann es sich an Familienberatungsstellen, wie z.B. das Autonome Frauenzentrum, wenden. Im Zuge der rechtlichen Beratung wird auch auf das psychosoziale Beratungsangebot hingewiesen. Das Autonome Frauenzentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen zu informieren, zu beraten, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und insbesondere Frauen in der Wahrnehmung von Gewalt in ihren verschiedenen Ausprägungen zu sensibilisieren. Denn es muss hervorgehoben werden, dass Gewalt nicht nur der brutale Faustschlag ist, sondern dass sie ebenso subtile Formen annehmen kann (ständige Demütigungen sind auch Gewalt!). Oft leidet das Selbstvertrauen der Frauen durch die ständige Abwertung des Partners, sie fühlen sich wertlos und ohnmächtig. Das kann unter anderem dazu führen, dass eine Frau, die ökonomisch aufgrund ihrer momentanen Lebenssituation von ihrem Mann abhängig ist, sich des Wertes ihrer eigenen Leistung, nämlich der von ihr erbrachten Hausarbeit und Kindererziehung als völlig gleichberechtigte Leistung zur Berufstätigkeit des Mannes gar nicht bewusst ist. So akzeptieren es viele Frauen, wenn der Mann behauptet, dass „es sein Geld ist, das er heimbringt und er bestimmt, was damit passiert“. 

Täter und Opfer finden sich grundsätzlich in allen sozialen Schichten, unabhängig vom Einkommen, Bildungsstand, Nationalität, Herkunft und Religion. Auch Männer können Opfer von Partnergewalt werden. In der Beratung werden die Opfer in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, denn je mehr Selbstbewusstsein man hat, desto mehr kennt und zieht man Grenzen. Die Auswirkungen der erlebten Gewalt auf die Psyche der Betroffenen können z. B. die folgenden sein: zunehmender Verlust des Selbstwertgefühles, Verlust der Selbstbestimmung, psycho-somatische Störungen, Angst und Panikattacken, depressive Anpassungsstörungen, soziale Isolation. Diese Auswirkungen hindern die Opfer oft daran, sich aus solch einer Beziehung zu befreien, daher ist die Stärkung des Selbstwertgefühls enorm wichtig.