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Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen

„Er tut das doch nur, weil er mich liebt“. Diese und ähnliche Worte benutzen Mädchen, die in einer Beziehung voller Gewalt feststecken. „Die meisten Teenager, die Opfer von sexuellen Übergriffen in einer Partnerschaft wurden, kommen erst nach der Beziehung zu uns in die Beratungsstelle“, so Mag.a Verena Weißenböck, Psychologin und Psychotherapeutin von Tamar, der Beratungsstelle für misshandelte und sexuell missbrauchte Frauen, Mädchen und Kinder.

Davor fehle es den Jugendlichen oft an Erfahrung und dem nötigen Wissen, die gewaltvollen Situationen in Beziehungen richtig einzuschätzen. „Widerfährt mir wirklich Gewalt oder reagiere ich selbst nur über?“
Auch das eigene Selbstwertgefühl und die Erziehung spielen eine Rolle. Habe man als Kind oft eigene und beobachtete Gewalterfahrungen in der Familie gemacht, fällt es schwer zu beurteilen, welche Handlungen noch akzeptabel sind und welche nicht.
Auch wenn man glaube, dass etwas nicht in Ordnung ist, steht immer noch die Frage der Schuld im Raum. Oft werde von gewalttätigen Partnern suggeriert, dass die Partnerin an allem schuld sei.
Hinzu komme noch die psychische Abhängigkeit von dem/r Partner/in. Obwohl man schlecht behandelt werde, haben viele dennoch den Eindruck, dass es Liebe ist. Diese Gründe tragen dazu bei, dass sich Jugendliche oft erst sehr spät Hilfe suchen. „Sich jemandem anzuvertrauen ist dann der letzte Schritt in einer langen Kette von Überlegungen. Erst wenn sich Teenager ihrer Wahrnehmungen und Gefühle relativ sicher sind, haben sie das nötige Selbstbewusstsein um sich jemandem anzuvertrauen“, erklärt die Beraterin.
Um das Geschehene zu verarbeiten, wird in einem Beratungsgespräch unter anderem die Frage der Schuld thematisiert. Die meisten Betroffenen geben sich alleine die Schuld und fragen sich, warum sie es nicht früher gemerkt haben. „Oft ist es aber eine Dynamik, die stattfindet. Teenager, die Gewalt ausüben, haben ein feines Sensorium für die Unsicherheiten der Person und nutzen diese – oft unbewusst – aus“, so Weißenböck.
Für die Zukunft rät die Psychologin, mehr auf das eigene Gefühl zu hören bzw. auf Irritationen zu achten.  Auch wenn es schwierig ist, hilft es, sich zu fragen, wann man zum ersten Mal eine Ahnung hatte, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Sollten Eltern ein verändertes Verhalten oder sogar vermehrt blaue Flecken und Verletzungen bei ihren Kindern bemerken, sollten sie dies unbedingt ansprechen – aber nicht als Vorwurf, sondern als Sorge. Wenn sich das Kind ihren Eltern anvertraut, kann gemeinsam besprochen werden, was dem Kind helfen könnte. Kann es sich beispielsweise vorstellen, den Kontakt zu dem/r Partner/in abzubrechen?
Präventiv sollten Eltern in der Erziehung vor allem darauf achten, dass Kinder ein Gefühl dafür bekommen, welches Verhalten zwischen Liebespartner/innen in Ordnung ist und welches nicht.

Die österreichischen Beratungsstellen mit einem Gewalt-Schwerpunkt, beraten Sie gerne kostenlos in einem Erstgespräch und helfen ihnen bei der weiteren Vorgehensweise.