Gewalt aus Eifersucht

Die Eifersucht empfindet der/die Betroffene als qualvolles, verletzendes Gefühl von Liebesentzug. Er/sie sucht nach Wegen, das Liebesobjekt an sich zu binden. Oftmals kommt es zur Kontrolle, Befragung, und Durchsuchung von Privatgegenständen, gar zu Verfolgung oder Gewalt. Was hinter krankhafter Eifersucht steckt, ob und wie man sie heilen kann, darüber spricht Mag.(FH) Laura Bielowski, Sozialarbeiterin bei der Familien- und Partnerberatung, Innsbruck.

Krankhaft eifersüchtige Menschen bemessen ihren Wert oft daran, wie beliebt sie bei anderen sind. Geben ihnen andere Menschen das Gefühl wertvoll zu sein, sind sie zufrieden. Sie haben nicht gelernt, über sich selbst ein positives Selbstwertgefühl,  unabhängig vom Verhalten anderer Menschen, zu erschaffen. 

Krankhafte Eifersucht ist oftmals an andere psychische Erkrankungen gekoppelt. Der Eifersüchtige/ die Eifersüchtige, der den Partner/die Partnerin des Betrugs beschuldigt, lässt sich meistens nichts erklären, oder glaubt nicht an die Worte und Unschuldsbeteuerungen des Partners/der Partnerin. Worte helfen in einer Eifersuchtsszene gewöhnlich wenig. Der/die Eifersüchtige ist dann meist bereits in Rage  oder Rückzug und entzieht sich. Bei gewalttätigen Übergriffen ist eine Kontaktaufnahme mit einem Gewaltschutzzentrum und/oder einer der vielen Opferschutzeinrichtungen sinnvoll. In akuten Gefahrensituationen sofort die Polizei über die Notrufnummer 133 verständigen. 

Es ist teilweise gesellschaftlich bedingt, wie ein Mann und wie eine Frau ihre Eifersucht zum Ausdruck bringen. Männer verleihen ihrer Wut öfter nach außen Ausdruck, während Frauen eher in sich gehen, ihren Gedanken folgen, weinen. Eine geschlechtsspezifische Verallgemeinerung fällt aber schwer, da es ebenfalls Frauen gibt, die aus Eifersucht kratzen, stossen oder spucken. Von Warnsignalen vor einem Eifersuchtsanfall kann meist nicht die Rede sein. Verschiedene Menschen gehen unterschiedlich vor. Was jedoch alle Eifersüchtigen gemeinsam haben ist eins: sie können an ihrer krankhaften Eifersucht arbeiten, beispielsweise im geschützten Rahmen einer Beratung. Oftmals wissen solche Menschen bereits selbst, dass ihr Verhalten so nicht richtig ist, und dass sie ein Problem haben. Manchmal ist ein kleiner Anstoß seitens des Partners/der Partnerin, der, der sie in die Beratung bringt.

Das Wichtigste, was in solch einer Beratung vermittelt wird ist: „Nicht die Eifersucht beherrscht mich, sondern ich habe die Kontrolle über meine Gefühle.“ Ratsam ist an dieser Stelle auch die Paarberatung, weil sie das Verständnis seitens des Partners/der Partnerin stärkt. Manchmal kann man durch Empowerment, also dem Unterstreichen der positiven Seite eines Menschen schon viel erreichen. Er/sie gewinnt an Selbstvertrauen. Selbstzweifel werden schließlich oftmals auf andere projiziert. Die Experten/ Expertinnen meinen: „Man fühlt sich in dem Ausmaß geliebt, in dem man sich selbst liebt“.