Kleiner Junge kneift die Augen zu und weicht ängstlich zurück, da ihm eine Ohrfeige droht.

Gewalt an Kindern – mische ich mich ein?

Wenn man in die Situation kommt, körperliche Gewalt an Kindern zu beobachten, möchte man am liebsten eingreifen. Wenn es aber die beste Freundin ist, der „die Hand ausrutscht“, weiß man nicht so recht, wie man sich verhalten soll ...

„Grundsätzlich ist beides nach dem Gesetz strafbar: Gewalt an Kindern auszuüben sowie tatenlos dabei zuzusehen“, weiß Katharina Marek-Baudisch, Beraterin in der Familienberatungsstelle des Vereins „Eltern für Kinder“ in Wien. Der Erziehungsperson mit dem Gesetz zu drohen hält sie aber für wenig sinnvoll. „Es ist sehr wichtig, sich einzumischen, was bei Fremden leichter fällt, als bei der besten Freundin. Denn hier riskiert man, dass die Freundschaft in die Brüche geht. Wenn man eingreift, dann am besten auf einer gut verständlichen Beziehungs- bzw. Herzensebene. Etwa mit der Botschaft: ‘Du bist okay, aber was du tust ist nicht okay‘.“

Man kann die Freundin sanft darauf hinweisen, dass Konsequenzen auf ein unerwünschtes Verhalten immer dem Alter angemessen und auf das Verhalten des Kindes reagierend sein sollten. Dass Gewalt keine angemessene Umgebung für ein Kind schafft – weder körperlich (Ohrfeige, Klaps) noch seelisch (Liebesentzug). Es geht hier auch um Grenzüberschreitung: „Halt, du übertrittst eine Grenze: Gewalt ist nie hilfreich für die Entwicklung deines Kindes.“ Dazu Marek-Baudisch: „Zeigen Sie Verständnis, mit den Worten ‘ich weiß, es ist überfordernd‘ und bieten Sie Hilfe an, z.B. mit ‘schauen wir, wie wir zusammen einen Weg finden, damit du das nicht mehr tust‘.“

Die Freundin fühlt sich dadurch möglicherweise in ihrer Mutterrolle angegriffen. Andererseits ängstigt sie der Gedanke, ihr Kind könnte als schlecht erzogen beurteilt werden. Trotzdem sollte man seine Meinung in Ich-Botschaften äußern: „Auch wenn du das anders siehst, ist es mir wichtig, es dir gesagt zu haben, denn das ist mir ein Anliegen.“

Es sollten auch die Auswirkungen und Grenzüberschreitungen angesprochen werde: „Bedürfnisse werden mit Demütigungen beantwortet. In der Folge werden diese unterdrückt und nicht mehr wahrgenommen. Das Kind verliert den Zugang zu seinen Gefühlen und kann später nicht mehr damit umgehen“, so die Beraterin. Formulieren könnte man: „Ich weiß, es ist schwierig, aber vielleicht ist es möglich dich zu fragen: Wie würdest du dich fühlen?“

Findet Gewalt an Kindern statt, ist dabei immer ein innerer Druck vorhanden. Die Erziehungsperson spürt sich mit dem Rücken zur Wand und erlebt enorme (An)Spannung. „Man muss schauen, woher dieser Druck kommt. Auch hier kann man als beste Freundin Hilfe anbieten: ‘Ich kann mir vorstellen, dass es dir nicht gut geht, lass uns darüber reden‘. Diese Unterstützung kann bereits entlastend sein“, weiß die Expertin. „Denn das Kind ist oft nur der Auslöser, der Druck war schon vorher da.“ Die Reaktion reicht vom aggressiven Impuls ‘Hand rutscht aus‘ bis hin zu regelmäßiger Gewalt. In letzterem Fall ist es wichtig zu motivieren, professionelle Hilfe und Beratung zu suchen. „Wurde die Freundin selbst geschlagen, oder findet Gewalt regelmäßig statt, ist sie in einer professionellen Situation besser aufgehoben, wie z.B. Familienberatung, Erziehungsberatung, Eltern Coaching etc.“, erklärt Katharina Marek-Baudisch, „hier wird in weiterer Folge auch über eine Therapie entschieden.“

Katharina Marek-Baudisch ist Beraterin in der Familienberatungsstelle des Vereins „Eltern für Kinder“ in Wien, Präsidentin IASC e.V., Psychotherapeutin, Supervisorin IASC, Lehrsupervisorin & Coach IASC sowie Elementarpädagogin. Unterstützung finden Sie auch bei den österreichischen Familienberatungsstellen.