Zwei Buben raufen

Geschwister-Eifersucht

Wie wirkt sich die Reihenfolge der Geburt auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes aus? Kann man alle Kinder gleich erziehen? Sollte man das? Zu diesen Fragen gab Frau Mag. Emmi Ott, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, tätig in einer Beratungsstelle in Purkersdorf und in Wien 10 einige Anregungen.

Die Reihenfolge der Geburt hat eine enorme Auswirkung sowohl auf die  Entwicklung als auch auf die soziale Verträglichkeit des Kindes. So wie sich alles für das älteste Kind ändert, wenn ein Baby in die Familie hineingeboren wird, bleibt für die Eltern auch nichts mehr gleich. Plötzlich sehen diese ihr erstes Kind nämlich nicht mehr als das kleine, hilflose Baby, sondern als das ältere Geschwisterchen des Babys. Vom Älteren wird verlangt, nun die Aufmerksamkeit der Eltern zu teilen. Das belastet das Kind und kann zu Eifersuchtsausbrüchen führen. Dies ist natürlich, wenn man bedenkt, dass das Kind fürchtet seinen Rang in der Familie zugunsten des neuen Familienmitglieds zu verlieren. Hier ist es wichtig, viel mit dem Erstgeborenen über die neue Situation zu reden, es miteinzubeziehen in den Umgang und die Pflege des Babys und ihm täglich seine Wertschätzung auszusprechen. Das stärkt nämlich sein Selbstwertgefühl und vermindert so seinen Drang zu rivalisieren. 

Es gilt als erwiesen, dass Erstgeborene besonders gewissenhaft und pflichtbewusst sind. Dafür sind die jüngeren Geschwister anpassungsfähiger und risikofreudiger. Schließlich hat der Größere und Stärkere von Anfang an das Sagen, und sie müssen lernen damit umzugehen. Jedes Kind entwickelt individuelle Stärken und Schwächen. Für die Eltern ist es daher wichtig, auf jedes Kind individuell einzugehen und ihm ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit zu schenken. Die Art der Aufmerksamkeit variiert je nach Persönlichkeit des Kindes. Manche brauchen besonders lange Gespräche, für manche sind Geschenke und kleine materielle Aufmerksamkeiten wichtig  und wieder andere sehnen sich am meisten nach Zärtlichkeit. „Man sollte sich bemühen bei jedem Kind eben diesen Punkt zu finden, denn der wird vom Kind als besonderer Liebesbeweis bewertet.“ Was man als Elternteil hingegen meiden sollte, ist, in Generalisierungen zu verfallen. Stellt man ein Kind stets als Sündenbock dar, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieses Etikett noch lange an ihm haften bleibt. Stattdessen sollte man versuchen, auf die positiven Aspekte seines Verhaltens einzugehen und diese zu fördern. 

Die Liebe der Eltern sollte jedem Kind gleich zustehen. Sowohl der „Raufbold“ als auch die „Heulsuse“ sollten sich ihrer sicher sein können und damit keinen Grund zur Eifersucht haben.  

Auch der Umgang mit Geschwisterkonflikten kann zu Eifersucht führen. Als Eltern sollte man nicht immer eingreifen. Wenn man jedoch das Gefühl hat, die Situation gerät außer Kontrolle, können die Eltern die Rolle eines Mediators einnehmen. Eine Aussprache zwischen den Konfliktparteien mit Hilfe eines Dritten als Vermittler öffnet die Augen auf eine andere Sichtweise des Geschehens und fördert so die Kompromissbereitschaft; auch schon bei Kindern. Die Art und Weise, wie man Konflikte unter Geschwistern löst, prägt auch den späteren Umgang mit Konflikten im sozialen Bereich. Je früher Kinder lernen, Konflikte auszutragen und Konsequenzen daraus zu ziehen, desto besser.