Eine junge Frau sitzt traurig an einen Baum gelehnt. Eine andere Frau hält tröstend ihre Hand.

Frauen zwischen den Kulturen - Unterstützung als Hilfe zur Selbsthilfe

In unserem Land müssen sich Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund mit Widerstand und Unterdrückung auseinandersetzen. Je nachdem ob sie in Österreich geboren oder kürzlich zugezogen sind, ob sie freiwillig gekommen sind oder aus der Heimat flüchten mussten – es ergeben sich vielfältige Probleme. Das Herkunftsland bestimmt zudem ob jemand als „guter“ oder “schlechter Migrant“ wahrgenommen wird: „Migranten reicherer Herkunftsländer etwa stoßen auf weniger Widerstand als Migranten aus ärmeren Ländern“, weiß Mag. Ruzica Lukic. Sie ist Beraterin und Juristin im Verein VIELE in Salzburg. Diese interkulturelle Familienberatungsstelle ist spezialisiert auf Frauenanliegen: „Da Frauen in Beziehungen eher abhängig sind als Männer, müssen sie sich in einem fremden Land auch privat durchsetzen. Für sie ist es schwierig, selbstständiger zu leben, arbeiten zu gehen oder österreichische Freundinnen zu haben, wenn der Mann konservativ eingestellt ist. Diese Form der Unterdrückung findet intern statt – in der Familie. Bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, auf Ämtern oder im öffentlichen Alltag findet sie extern statt“, erklärt die Expertin.

Zur Unterdrückung zählen auch Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Migrantinnen oder Frauen mit Migrationshintergrund sind häufig davon betroffen und trauen sich nicht, sich zur Wehr zu setzen. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren schweigen sie, vor allem dann, wenn sich der Partner im Ausland aufhält und sie alleine verdienen.

„Wer Unterdrückung wahrnimmt, sollte den Betroffenen seine Unterstützung anbieten“, rät Lukic. „Dabei geht es vor allem darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben oder Beratungsstellen zu vermitteln. Hier hat man Erfahrung mit dem Thema und können objektiv begleiten und beraten.“ Um sich selbst vor Unterdrückung schützen zu können, muss man zunächst die Sprachbarriere überwinden: „Der Spracherwerb bildet die Basis für ein Leben in einer fremden Heimat – nicht nur für die Arbeit und den Aufenthaltstitel“, so die Beraterin. „Mit der Bereitschaft die Landessprache zu lernen öffnet man sich für Neues: Man erweitert den kulturellen Horizont und die soziale Wahrnehmung. Sprache erleichtert die gesamte Lebenssituation, sie verhindert Abgrenzung und fördert Integration.“

Der Verein VIELE bietet deshalb zertifizierte Deutsch- und Alphabetisierungskurse an und möchte ein Bewusstsein schaffen was es bedeutet, Deutsch zu lernen. Mehrsprachige Experten beraten und begleiten Migrantinnen und Frauen mit Migrationshintergrund: „Wir helfen ihnen, sich im öffentlichen Leben zurechtzufinden. Von der Aufklärung über Amtswege bis zur Vermittlung von Kindergartenplätzen, aber auch bei der Vernetzung in familiären Problemen. Die Unterstützung ist umfassend“, sagt die Lukic. „Um Integration zu fördern engagieren wir uns aber auch für ein gegenseitiges Bewusstsein – über die Vorteile des interkulturellen Miteinanders sowie die finanzielle Sicherheit in unserem Land.“