verzweifelter Mann an Schreibtisch voller Rechnungen

Finanzkrise in der Familie – wie finden wir da raus?

Sie kennen das Gefühl, den Überblick über die Finanzen zu verlieren? Plötzlich steht nur noch ein dickes Minus am Kontoauszug. Damit geht es Ihnen wie vielen anderen. In Österreich sind rund 200.000 bis 300.000 Haushalte überschuldet beziehungsweise an der Schwelle zur Überschuldung. Ist auch Ihre Familie betroffen von Kurzarbeit, Kündigung oder Lohnkürzung? Hinzu kommt noch, dass die Preise im Bereich der Fixkosten gestiegen sind: Miete, Energie, Lebensmittel. 

Um die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen, steht am Anfang ein Einnahmen/Ausgaben-Vergleich. Wie viel verdienen wir – und wie viel geben wir aus? Bei den Fixkosten kann man stark einsparen: Abos oder Handys sind oft unnötige Kostentreiber. Hier steht die Überlegung: Brauchen wir alle ein Handy? Oft ist es Zwecks Übersichtlichkeit sinnvoller auf Wertkarte umzusteigen. Dann überlegt man sich: Wie kann ich mein Einkommen aufbessern? Beihilfen können die Familie unterstützen. Aber ein zusätzlicher Job ist manchmal notwendig – wenn zum Beispiel Kurzarbeit vorgeschrieben wurde.

Alte Gewohnheiten sind oft tief verankert und müssen erst einmal durchbrochen werden. Flugzettel liefern hier großes Sparpotential denn sogar Diskontartikel sind teurer geworden. Aber Vorsicht bei Mengenrabatten. „Was zu viel ist und nicht gegessen wird, ist in Folge oft nur ein teurer Einkauf.“, warnt Mag. (FH) Ferdinand Herndler, Dipl. Sozialarbeiter, Sozialwissenschafter, Supervisor, „und hungrig einkaufen zu gehen ist genauso tabu, wie das Geschäft ohne Einkaufszettel zu betreten.“

Sollte Sie die Kreditkartenabrechnung jeden Monat schockieren, geben Sie diese besser zurück. „Gewöhnen Sie sich Mechanismen an. Schreiben Sie mit, welche Zahlungen Sie tätigen und kontrollieren Sie Ihre Kontoauszüge.“, rät Mag. (FH) Herndler. Auch von den oft angepriesenen Ratenzahlungen bei Elektronikhandelsketten rät er ab: „In der Regel sind diese Kredite sehr teuer. Das Gerät auf Raten zu zahlen bedeutet in Wirklichkeit, dass man das Geld nicht hat.“

Eltern haben eine Vorbildfunktion gegenüber ihren Kindern. Sie sollten Grenzen aufzeigen und früh klar machen, dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehen kann. „Die Stärke Nein zu sagen; zu lernen, dass es um unsere Zukunft geht und nicht um den Moment – diese Eigenschaften helfen den Kindern, sich gegenüber Freunden behaupten zu können.“, erklärt Mag. (FH) Herndler. Und wenn das Taschengeld gespart wird, kann man sich auch einmal etwas Größeres leisten. So lernen Kinder von Klein auf, welchen Wert Geld hat, dass es nicht einfach aus dem Automaten kommt und dass jedes teure Spielzeug gleichzeitig mit einem Verzicht verbunden ist.

Wichtig ist es, Reserven anzulegen, falls beispielsweise einmal unerwartet der Herd streikt. Verplanen Sie niemals das gesamte Budget. Sparen heißt nicht gleich verzichten. „Setzen Sie Prioritäten.“, rät er. Natürlich kann man sich manchmal etwas gönnen. Doch auch hier gilt: Brauche ich das wirklich? Verwende ich es so lang, dass sich die Anschaffung auszahlt? Wo möchte ich in 1 - 2 Jahren stehen?

Wenn man keinen Ausweg mehr findet, ist es wichtig ehrlich zu sein. Sowohl in der Familie als auch beim Schuldenberater. Mag. (FH) Herndler: „Je besser Sie über Geld reden, desto besser werden Sie Ihr Geld verwalten.“ In jedem Fall ist es sinnvoll Hilfe von außen zu holen und Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen, die professionell Hilfe anbieten können.