Kind spielt bei Tisch

Familienleben mit der Corona-Krise

Niemand hätte sich je vorstellen können, dass sich unser aller Leben innerhalb von wenigen Tagen vollkommen verändert. Eine Bedrohung, die man nicht sehen, nicht riechen, nicht hören kann – die aber schlagartig auf die Grundlagen unseres Lebens einwirkt. 

Dazu Doris Fleck, Beraterin im Institut für Familienfragen in Graz: „Das bringt viele Familien aus ihrem inneren Gleichgewicht. Es gibt finanzielle Unsicherheit, Kurzarbeit, Kündigung oder Firmenschließung, aber auch Sorgen um die Gesundheit.“ Homeoffice und Homeschooling würden Familiensysteme zusätzlich belasten. Kinder können zurzeit nicht in die Schule bzw. in die Kinderbetreuungseinrichtung, wodurch sie soziale Kontakte und Freundschaften nicht ausleben können. Ihre sozialen Erfahrungen reduzieren sich auf die eigene Familie. Die ungewohnte ständige Nähe zueinander löse vielfach Streit unter den Geschwistern und Konflikte zwischen allen Familienmitgliedern aus. 

Fleck: „Vor allem für Kleinkinder ist es eine Herausforderung nur die eigenen Eltern und Geschwister ohne Mund-Nasen-Maske zu sehen. Da wird es besonders wichtig trotz Belastungen eine offene Kommunikation mit denKindern zu führen und mehrmals am Tag ganz bewusst in Kontakt zu gehen und sich von äußeren Einflüssen (Handy, Medien, Hausarbeit usw.) nicht stören zu lassen.“ Die Expertin empfiehlt, auch die Kleineren in Alltagstätigkeiten wie etwa kochen oder putzen einzubeziehen. Denn auch das sei gemeinsame Zeit, in der man über das gemeinsame Tun und die Kommunikation in Kontakt mit dem Kind geht. „Es braucht jetzt nicht große Unternehmungen, sondern Zufriedenheit mit dem, was möglich ist. Der Kreativität der Eltern ist hier keine Grenze gesetzt!“

Es könne für alle in der Familie entlastend sein, wenn es eine klare Tagesstruktur gibt. So solle man auch Kleininder während der Zeit des Homeoffice „arbeiten“ lassen: „Gestalten Sie ein „Büro“ für das Kind, wo es sich mit Basteln, Zeichnen oder Büchern beschäftigen kann“, rät Fleck. Dazwischen braucht es Pausen mit kurzer Bewegung (wie etwa Hampelmann springen…). Das Hinausgehen in Garten oder Park könne dem Bewegungsdrang des Nachwuchses gerecht werden und ein Stück Entspannung für alle bringen.

Für Kinder sei es besonders wichtig, ein Gefühl von Sicherheit entwickeln zu können. Das fordert von Eltern viel Feingefühl. Das sichere Vermitteln von Informationen über die derzeitigen Veränderungen könne bei Kindern für Entlastung sorgen. Die Beraterin dazu: „Erklären Sie ihren Kindern altersgerecht und ohne Angst zu machen das Wesentliche. Zum Beispiel das gründliche Händewaschen: Zeigen Sie es vor und machen Sie es gemeinsam. Dabei kann man erklären, dass das jetzt ganz wichtig ist, damit wir gesund bleiben.“ Gelingt dies ohne eigene Ängste und lässt man Beschreibungen wie schlimm die Erkrankung werden kann weg, wird das Kind diese Tätigkeit als wichtigen eigenen Beitrag in der veränderten Situation wahrnehmen können. Das stärkt das Vertrauen und die Selbstwirksamkeit des Kindes und somit das Gefühl von Sicherheit.

Durch die vielseitigen Belastungen können Eltern an ihre eigenen Grenzen geraten! Aber wie und wo finden sie Entlastung? Leben beide Elternteile in einem Haushalt ist es wichtig, dass jede/r eine kleine Auszeit für sich alleine nimmt. Das kann ein Spaziergang sein, eine Tasse Tee/Kaffee oder Musik mit der man sich in ein Nebenzimmer zurückzieht. Es geht darum, sich kleine machbare Auszeiten zu gönnen um sich damit zu entlasten oder zu stärken. Leben die Eltern getrennt, kann die Kontaktzeit für eigene freie Momente bewusst genutzt werden. 

Werden die Belastungen zu groß, gibt es die Möglichkeit sich relativ rasch und unkompliziert Unterstützung von außen zu holen. Über Telefon oder E-Mail bieten die österreichischen Familienberatungsstellen aktuell Beratungen an. Alle Themen und Fragen rund um das Familienleben sowie die persönlichen Sorgen finden hier Platz. Die Familienberatungsstellen sind somit Begleiter und Unterstützer für alle in dieser schwierigen Corona-Krise.