Ewige Geliebte – Ein Leben in der Warteschleife

Ewige Geliebte – Ein Leben in der Warteschleife

Die Geliebte eines gebundenen Mannes – und meist finden solche Beziehungen in genau dieser Konstellation statt – lebt in einem ständigen Dilemma. In einer Beziehung auf Abruf, mit einer Liebe, die im Verborgenen blühen muss, die ihr zwar einerseits gut tut, sie aber auch laufend kränkt und einsam zurücklässt. Gemeinsame Aktivitäten fallen oft weg. Feiertage und Wochenenden müssen ohne den Geliebten verbracht werden, denn die gehören meist der Familie. Was bleibt sind gestohlene Stunden und viele Lügen.

Versucht die Geliebte Ansprüche zu stellen, werden Hoffnungen geschürt. Und das oft jahrelang. Mit Argumenten wie: Ich kann mich noch nicht trennen, die Kinder sind noch zu klein, das Haus muss erst abbezahlt werden … „Frauen sehen ihren Geliebten oft als Opfer und sich selbst als Retterin, denn schließlich sind sie ja jederzeit für ihn da und verstehen ihn“, so Mag.a Melanie Kappel, Beraterin bei Lichtblick in Feldkirchen. Oft seien es emotionale Abhängigkeit oder Angst vor dem endgültigen Alleinsein, warum sich Geliebte immer wieder vertrösten ließen.

Das Pendeln zwischen heimlichen Stunden voller Liebesglück und dem Ertragen der einsamen Realität kostet Energie, Zeit und endet häufig im Liebeskummer. Wird der Leidensdruck zu hoch, schaffen es einige dann doch, die Beziehung zu beenden. Und das ist gut so: In den meisten Fällen gibt es nämlich auch kein Happy End. Statistiken besagen, dass sich nur jeder 10. Mann von seiner Frau trennt und das auch nur in den ersten sechs Monaten.

Um zu ergründen, warum frau in so eine Beziehungsstruktur gerät, ist eine reflektierte Innenschau hilfreich: Was ist mein Anteil und wie kann ich das ändern? Welche Bedürfnisse stecken dahinter, in die Rolle der Geliebten zu fallen? „Denn oft resultieren solche Beziehungsformen aus fehlender eigener Wertschätzung. Frauen fühlen sich nicht liebenswert und so auch nicht wert, geliebt zu werden und glücklich zu sein. Bei Männern funktioniert das anders: Sie kompensieren dieses Manko oft durch ein starkes Geltungsbedürfnis. Wer sein Selbstbewusstsein stärkt und sich Anerkennung und Wertschätzung durch Freunde, Hobbys oder Sport holt, ändert häufig seine Anforderungen an eine Beziehung“, weiß die Beraterin.

Für manche Frauen oder Männer kann ein Liaison mit einem gebundenen Partner durchaus auch seine Vorteile haben – sei es aus Selbstschutz, um sich keinen möglichen Verletzungen auszusetzen, niemanden zu Nahe an sich heranzulassen oder einfach keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Schließlich kann so ein Verhältnis auch sehr unverbindlich sein, vor allem wenn beide gebunden sind und man nur gemeinsame Schäferstündchen verbringen will.

Wer zu diesem Thema Hilfe und Rat braucht kann sich kostenfrei an alle österreichischen Beratungsstellen wenden.