Essgestörte auf Waage

Essstörungen

Magersucht, Bulimie oder Esssucht sind keine Ernährungsstörungen, die durch richtiges Essen gelöst werden können. Vielmehr zeigen Essstörungen, dass Betroffene Probleme auf seelischer Ebene nicht verarbeiten können. Ihre Entstehung hängt oft mit gestörten Beziehungen in der Familie zusammen. „Essgestörte Mädchen haben häufig eine problematische Mutter-Tochter Beziehung. Durch das Verweigern von Essen drücken sie ein Nein aus, trotzen gegen die Mutter“ weiß Dr.in. Margit Steinzer, Beraterin beim Verein Pe-Le. Aber auch Mobbing oder traumatische Veränderungen können Auslöser für Magersucht sein. Diäten werden ebenfalls als Hochrisikofaktor für die Entstehung von Essstörungen gesehen. Denn oft wird schlank sein mit Attraktivität, Glück und Erfolg gekoppelt. 

„Für Magersüchtige ist Essen verbunden mit Scham- und Schuldgefühlen, der Angst zuzunehmen und dem Empfinden, zu versagen. Das Leben der Betroffenen kreist zwanghaft um Essen bzw. Nicht-Essen. Unbeschwertes Genießen, gesunder Appetit und Hunger sind nicht möglich“, so die Beraterin. 

Bei der Esssucht – Adipositas – ist oft eine falsch anerzogene Ess- und Trinkgewohnheit verantwortlich. Die Expertin berichtet aus ihrer langjährigen Erfahrung: „Essen wird auch als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung verwendet. Die Betroffenen können ihre Gefühle schlecht ausdrücken und schlucken sie hinunter.“ Häufig fehlen entsprechende Stressbewältigungsstrategien. Esssucht kann auch Folge häufiger Diäten sein, durch den sogenannten Jojo-Effekt wird meist mehr zugenommen als abgenommen. Der daraus entstandene Frust wird oft mit Essen bekämpft. Doch auch sexueller Missbrauchs kann zu Adipositas führen: „Wenn ich fett bin, bin ich nicht attraktiv und keiner will Sex von mir.“ Es wird ein Schutzpanzer angegessen. 

Steinzer erklärt, dass es lange dauern kann, bis man als Familienmitglied eine Essstörung bei seinem Nachwuchs bemerkt. Oft verbergen Magersüchtige ihren großen Gewichtsverlust durch weite Gewänder. Viele von ihnen haben Hunger nach Anerkennung, der gepaart ist mit einem hohen Anspruchsniveau und geringem Selbstwert. Andere wiederum, vor allem junge Mädchen, wollen nicht erwachsen werden, haben oft ein sehr kindliches Gehabe und lehnen ihr Frausein ab. 

Die Beraterin weiter: „Wer in seinem Umfeld essgestörtes Verhalten bei seinen Mitmenschen bemerkt, sollte sich auf keine Diskussion oder Streit über das Essen und Körpergewicht einlassen, das provoziert nur noch mehr Widerstand. Offen darüber sprechen, dass man sich Sorgen macht, bewirkt mehr und ermutigt Betroffene eher, Hilfe anzunehmen.“ 

Wichtig ist, den Betroffenen und sich Zeit zu geben, denn die Essstörung ist nicht von einem Tag zum anderen gekommen und kann daher auch nicht von einem Tag zum anderen vergehen. „Als Unterstützung ist es hilfreich, Ärzte und Beratungsstellen aufzusuchen“, weiß die Psychologin. Diese stehen in ganz Österreich kostenlos zur Verfügung. Ist jemand einem Schlankheitswahn erlegen, kann ein Beratungsgespräch ein erster Schritt sein, um einen entspannteren Umgang mit dem Essverhalten zu erlangen. 

Vorbeugende Maßnahmen sind auf jeden Fall, den Selbstwert des Kindes zu stärken und Essen nicht als Leistung zu sehen oder als Trostpflaster zur Stressbewältigung einzusetzen. Kinder müssen sich auch dann akzeptiert fühlen, wenn sie bestimmten Erwartungen nicht entsprechen. Schwaches Selbstwertgefühl entsteht unter anderem, wenn Zuwendung nur bei Wohlgefallen stattfindet.