Erziehung hat viele Facetten

Erziehung hat viele Facetten

Ob es das „Good Guy/Bad Guy“ Spiel ist oder unterschiedliche Vorstellungen ganz grundsätzlich – wenn Partner Kinder erziehen, kann das zu Spannungen führen. In den Familienberatungsstellen ist Kindererziehung eines der häufigsten Themen und auch Paula Wintereder, Dipl. Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei der Diözese Linz, hat viele Klientinnen, die mit einer solchen Frage zu ihr kommen. „Kinder fordern viel Energie, was das Gleichgewicht in der Partnerschaft immer wieder ins Wanken bringen kann. Wenn man sich im Erziehungsstil nicht einig ist, kann dies besonders herausfordernd sein.“ 

Erzogen wird meist den persönlichen Werten entsprechend, meist nimmt auch Einfluss, wie man von den eigenen Eltern behandelt worden ist. Dies kann bei Partnern unterschiedlich sein und Kinder spüren das nur allzu genau. Sie nutzen die jeweiligen Besonderheiten zur ihren Gunsten und spielen so die Erziehungsberechtigten gegeneinander aus.

Dies ist im Normalfall leicht zu lösen. Wenn jemand allerdings auf seinem Standpunkt beharrt und der andere gegensätzlich agiert, wäre eine konstruktive Auseinandersetzung notwendig. „Denken Sie in solchen Konfliktsituationen darüber nach, warum Ihnen das Thema so besonders wichtig ist. Woher mögliche Ängste kommen, die dahinter stecken, oder welche Werte Ihnen dies so wichtig sein lassen. Welche Bilder habe ich im Kopf? Warum bin ich in Sorge?“ Meist würden sich dann im Gespräch mit dem miterziehenden Partner viele dieser Meinungsverschiedenheiten lösen lassen. Die Expertin: „Es setzt zumindest einen Prozess in Gang und oft lässt sich dann ein Kompromiss finden.“

Wenn nach Trennung ein neuer miterziehender Partner ins Spiel kommt, ist das manchmal besonders heikel. „Hier ist sehr viel Austausch notwendig und Kinder gewinnen in Patchwork-Situationen oft extra an Macht.“ Dies passiere dadurch, dass das „Ausspielen“ des leiblichen Elternteils gegen den neuen Partner aus Sicht der Kinder gerechtfertigt ist. Paare müssen laut Wintereder gerade am Anfang besonders auf die Paarebene achten und dem Gerangel seitens der Kinder dem ihm zustehenden Platz zuweisen. „Das Kind darf nicht zwischen die Partner treten und die Schuldgefühle dürfen nicht überwiegen. Das kann schnell zu Scheitern führen. Die Eltern sind nicht die Verbündeten ihrer Kinder, sie sind die Erzieher!“

Letztendlich sollte man jedoch immer im Fokus haben, was das eigentliche Ziel der elterlichen Bemühungen sein sollte:  Unseren Nachwuchs zu unterstützen, zu motivieren, ihn lebenstauglich zu machen und ihn soweit zu bringen, dass er sein Leben gut meistern kann.

Bei Erziehungsfragen und Problemen damit stehen ihnen die zahlreichen Expertinnen und Experten in den österreichischen Familienberatungsstellen gerne jederzeit zur Seite.