Paar gibt sich die Hand

Erwartungen in der Partnerschaft

Beziehungen sind grundsätzlich durch Erwartungen an den anderen geprägt, wir begehren - eben indirekt - das Begehren des Gegenübers. Wie soll sie/er sein? Was soll sie/er machen? In der heutigen Zeit wird es durch die neu definierte Weiblichkeit und Männlichkeit schwieriger, sich in einer passenden Rolle zu finden und den komplexen, manchmal widersprüchlichen Wünschen der Partnerin/des Partners gerecht zu werden. „Durch einen neuen Blick auf die Rollenbilder entstehen Konflikte. Früher war alles geordneter. Wie soll frau/man Wünschen gerecht werden, wie das Begehren am Leben erhalten?“ so Martin Krautschneider, Sozialpädagoge und Psychotherapeut - tätig in der „Familienberatung Am Schöpfwerk“. Der Experte spricht auch von „Rollenkonserven“, ein Begriff aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts, der Rollenmuster veranschaulichen sollte. Heute finden wir uns eher in „Fantasiekonserven“ wieder. Wer und Was sollten wir nicht alles sein und werden! Das Ideal - Ich der InfluencerInnen anstrebend, sind wir in der Selbst - Optimierungsfalle gefangen und glauben dadurch begehrenswerter als andere zu sein. Gleichzeitig ist aber in beiden Geschlechtern das tradierte Rollenverhalten noch verankert. Er muss seine Macht durch Objektbeziehungen demonstrieren, sie sucht Bestätigung durch Worte und Handlungen.


„Wir sollten wissen, dass der Kern der Begegnung zwischen Frauen und Männern der Konflikt ist. Entweder geht es dabei um Liebe oder um Macht. Die Unterschiedlichlichkeit erzeugt Konkurrenz, die im Machtspiel zum unproduktiven Vorwurf wird, im Liebesspiel hingegen zu Anerkennung und Wertschätzung der Eigenschaften und Verhaltensweisen der Partner/in wird. Dieser - auch innerlichen - Auseinandersetzung dürfen wir uns wahrhaftig stellen und wohlwollend Geduld miteinander haben“, so Krautschneider.
Männer würden leider oft zu wenig sprechen, das „miteinander - auseinander - setzen wollen“ kommt zu kurz – sie gehen zu oft in die Stille, suchen dort ihr Seelenheil, landen aber in der Echokammer der Egofalle. Beide Geschlechter aber verwenden im Streit Täter - Opfer - Umkehr und Whataboutism, aus Furcht vor Veränderung. Lust an prozesshafter Entwicklung zu haben, nicht immer starr an seinen Mustern festzuhalten sei oft notwendig, um näher zueinander zu rücken. Doch was ist zumutbar für mich? Diese Frage müsse jede/r für sich beantworten. Krautschneider: „Das Wichtigste ist immer, neugierig zu bleiben. Das Interesse am anderen zu erhalten.“
Damit das gelingt, empfiehlt der Berater beispielsweise, Rituale einzuführen. Diese könne man je nach Vorlieben für sich entdecken. „Entwickeln sie beispielsweise ein Begrüßungsritual, zeichnen sie einander, hören sie Musik, finden Sie ein gemeinsames Lied zu dem sie tanzen, setzen Sie Ihre sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten ein – da gibt es unendlich viele Möglichkeiten.“
Sollten Sie zu Erwartungen in der Beziehung ein Gespräch mit einem Profi führen wollen, vereinbaren Sie gerne einen kostenfreien Termin in einer der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen.