Junges Pärchen liegt auf der Wiese

Erste Liebe - erster Sex

Wenn Jugendliche ihre erste Liebe erleben, ist das nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Eltern eine aufregende Zeit. Sie erfahren, dass ihr Nachwuchs sich erstmals emotional auf einen anderen Menschen außerhalb der Familie einlässt. Wenn von der Beziehung erzählt wird, sollte die erste Reaktion eine positive sein. Es ist für Jugendliche nicht selbstverständlich, ungehemmt über das Thema Liebe und Sex zu reden. 

Auch wenn Sex bei der ersten Liebe noch nicht im Vordergrund stehen muss, ist spätestens jetzt ein Gespräch über Verhütung angebracht – wenn notwendig, sollte man einen Facharzt aufsuchen. Genauso wichtig ist zu kommunizieren, dass Sex bei aller Vorsicht auch etwas sehr Schönes ist und Spaß macht. Ein offener Dialog auf Augenhöhe zeigt, dass Jugendliche ernst genommen werden und dass sie sich bei allen Themen an die Eltern wenden können. Für manche Eltern stellt sich trotzdem die Frage, ab welchem Alter ihr Kind alt genug sei für erste sexuelle Erfahrungen. „Dafür spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die körperliche und geistige Reife sowie die Sozialisation“, weiß Mag.a (FH) Irene Starzengruber, Beraterin bei Waggon Jugendberatung. Grundsätzlich gibt es kein richtiges Alter. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, muss jeder für sich ergründen. Einige schlafen mit 14 Jahren das erste Mal mit ihrem Partner, andere mit 19 oder auch erst mit 25.

Eine gelungene Sexualerziehung beginnt schon ab der Geburt – indem dem Kind ein positives Körpergefühl mitgegeben wird. Wird dem Nachwuchs von Anfang an gezeigt, wie lieb man es und seinen Körper hat, dann zehrt es sein ganzes Leben lang davon. Geschlechtsteile gleichwertig in die ersten Spiele zur Benennung von Körperteilen miteinzubeziehen und ihnen möglichst bald den richtigen Namen zu geben fördert ebenfalls ein gutes Körpergefühl. „Nacktheit innerhalb der Familie sollte kein Tabu sein. Je eher Kinder Eltern nackt sehen, desto unbefangener werden sie mit den äußerlichen Unterschieden von männlich/weiblich umgehen können. Bei Fragen des Kindes zum Thema Sexualität haben sich altersgerechte Antworten sehr bewährt“, so die Beraterin. Ebenfalls positiv auf die sexuelle Entwicklung und spätere Partnerschaft wirkt sich ein liebevoller Umgang der Eltern untereinander aus.

Eltern sollten nie, auch wenn sie den Freund/die Freundin ihres Kindes weniger sympathisch finden, dies offen zeigen oder gar versuchen, die Beziehung auseinanderzubringen. Das Vertrauen wäre stark belastet und der Nachwuchs würde andere Wege finden, um sich mit seiner/ihrer Liebe zu treffen. Geben Eltern ihrem Kind das Gefühl, dass sie ein „offenes Haus“ haben und der Partner/die Partnerin willkommen ist, so wissen Mutter und Vater welchen Umgang ihr Kind hat, und die „große Liebe“ bleibt kein/e geheimnisvolle/r Unbekannte.

Starzengruber berichtet, dass es vielen Jugendlichen schwer fällt, mit den Eltern darüber zu reden. In so einem Fall ist oft ein Gespräch mit Freunden oder in Jugendzentren und Schulen einfacher. Denn in den Medien wird oft ein verzerrtes Bild von Sexualität gezeigt. Dadurch können Mythen entstehen, die den verantwortungsvollen Umgang mit Sex nicht fördern – wie zum Beispiel, dass man vom ersten Geschlechtsverkehr nicht schwanger werden kann.

Wer sich also lieber mit Beratern austauschen möchte, statt mit seinen Eltern darüber zu reden oder mit seinen Kindern keinen Zugang zu diesem Thema findet, kann sich gerne kostenfrei an die geförderten österreichischen Familienberatungsstellen wenden.