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Weiß gekleidetes Paar liegt auf weißen Laken, sie in seinem Arm. Er schaut sie an, und sie schaut in die Kamera. Er sieht jünger aus.

Er ist 10 Jahre jünger und kinderlos, kann das gut gehen?

Beziehungen mit nennenswertem Altersunterschied gibt es seit jeher. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass ER älter, reifer und im Leben angekommen ist, während SIE jung ist und am Beginn ihres Lebensentwurfes steht. Dem Kinderwunsch steht da meist nichts im Wege, selbst wenn er bereits Kinder hat. Anders ist es, wenn SIE reifer und im Leben angekommen ist, während ER jung ist und am Beginn seines Lebensentwurfes steht...

„Gesellschaftlich wird eine jüngere Partnerin eher toleriert als ein jüngerer Partner“, weiß Mag. Heidemarie Eder, Psychotherapeutin und Beraterin bei der Familienberatungsstelle der Lebenshilfe Salzburg. „Dieser gesellschaftliche Umgang mit Beziehungsvorstellungen und -normen kann auch innerhalb einer Beziehung zum Tragen kommen. Paare können sich davon beeinflussen und dirigieren lassen oder auch nicht.“

Für das Paar selbst spielt der Altersunterschied zu Beginn der Beziehung meist eine untergeordnete Rolle. Im Laufe einer langjährigen Partnerschaft kann er aber an Bedeutung zunehmen: „Spürbar wird ein größerer Altersunterschied dann, wenn Partner unterschiedliche Entwicklungen durchmachen und sich vormals gemeinsame Aufgaben und Interessen bei einem der beiden Partner wesentlich verschieben“, erklärt die Expertin. „Von einem Altersunterschied können beide Partner gegenseitig profitieren, wenn sie offen sind für neue Einsichten in andere Lebenswelten. Sie können sich aber auch gegenseitig behindern, wenn diese gegenseitige Offenheit und Toleranz nicht gegeben ist oder umschlägt in Ablehnung, Abwertung und Nicht-Akzeptanz.“

Welcher der Partner jünger ist, wird erst beim Kinderwunsch zum Thema: Die reife Frau hat möglicherweise bereits Familie und Kinder, der junge Mann möchte eigene. „Hat ein Partner einen Kinderwunsch, der andere aber nicht, stellt dies eine große Belastungsprobe für die Beziehung dar, unabhängig vom Alter“, so Mag. Eder. „Dem Partner zuliebe sich für ein Kind zu entscheiden – damit wird man diesem Kind keinen großen Gefallen tun und ihm die große Last aufbürden: Es wurde geboren, um die Beziehung seiner Eltern zu retten. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Frau, die nur ihrem Mann zuliebe ein Kind bekommt, nach der Geburt große Schwierigkeiten hat, ihr Kind zu akzeptieren und ihre Mutterrolle anzunehmen.“

„Der jüngere Partner braucht eventuell mehr Zeit, um in die Vaterrolle hineinzuwachsen. Der Beziehungsqualität, einer Konfliktkultur sowie Offenheit und Kommunikation kommt aber mehr Bedeutung zu als dem Alter, das per se keine große Rolle spielt.“ Wie bei allen wichtigen und zentralen Themen, die innerhalb einer Beziehung relevant werden, sei es wichtig, einen Kinderwunsch anzusprechen und nicht hinauszuzögern. „Unterschiedliche Standpunkte sind Teil jeder Beziehung“, weiß die Beraterin. „Wie ein Paar zu einer Lösung oder zu einem Kompromiss gelangt, sagt viel über die emotionale Qualität ihrer Beziehung aus.“

Die österreichischen Familienberatungsstellen können bei Krisen und schwierigen Entscheidungen in einer Paarbeziehung helfen, neue Möglichkeiten und Alternativen für sich zu finden, um diese Krise zu überwinden und den gemeinsamen Weg weiter zu beschreiten.