Businessfrau mit Baby am Arm

Wieviel Zeit mit den Eltern braucht ein Kind wirklich?

Muss die Mutter beim Kleinkind zuhause sein? Wenn ja – wie lange? Leidet ein Kind unter Fremdbetreuung? Fragen über Fragen, die viele Mütter quälen. Vor allem, wenn sie berufstätig sind …

50 Prozent der Österreicher/innen sind dagegen, dass die Mutter arbeitet, solange ihre Kinder noch nicht zur Schule gehen. Das hat eine Umfrage ergeben, die das Österreichische Institut für Familienforschung für eine Studie zur Werthaltung der Österreicher/innen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Erwerb durchgeführt hat. Damit liegt Österreich weit über dem Durchschnitt der Wertehaltung in anderen Ländern. Man muss nur in die nordischen Länder blicken, die wesentlich liberaler eingestellt sind … Zu Recht, denn Experten sind der Meinung: Es muss wichtige Bindungspersonen geben – und Kinder brauchen auch eine Nummer 1. Aber für die Entwicklung des Kindes ist es egal, ob diese Rolle von der Mutter, dem Vater oder jemand anderem übernommen wird. Auch wenn eine bestimmte Zeit des Tages eine andere Betreuungsperson als die Beziehungsperson Nummer 1 für das Kind da ist, weiß das Kind ab einem Alter von 3-6 Monaten, dass die Mutter/der Vater wieder zurückkommt. Das nennt man die Fähigkeit zur Objektpermanenz. „Wichtig ist für die Entwicklung eines Kindes die Kontinuität in der Betreuung und qualitativ hochwertige Beziehungen.“, betont Mag.a Petra Birchbauer,  Bereichsleiterin Kinderschutz und Jugendwohlfahrt von „Rettet das Kind Steiermark“. Wichtig sei auch nicht die Anzahl der Stunden, die Eltern mit ihrem Kind verbringen, sondern wie die gemeinsame Zeit gestaltet wird. „Wenn regelmäßig und bewusst Platz geschaffen wird für qualitatives Miteinander und die Mutter/der Vater als Anlaufstelle präsent ist, macht man es richtig. Natürlich brauchen kleine Kinder etwas mehr Zuwendungszeit.“

Fremdbeziehungen müssen keinesfalls schlecht sein. Vor allem, wenn Einzelkinder Zeit bei einer Tagesmutter oder Kinderkrippe verbringen, erleben sie soziale Kontakte, die sie mit 1 bis 1,5 Jahren erstmals knüpfen können. „Kinder müssen sich sicher fühlen können, das Gefühl erleben, dass sie mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden – das ist das Wichtigste.“, so Birchbauer. Zum Thema Fremdbetreuung gibt es noch einen entscheidenden weiteren Punkt: „Wenn sich die Eltern mit ihrer Situation wohl fühlen und sich nicht immer mit einem schlechten Gewissen plagen, tut das dem Kind gut. Damit für Eltern Berufstätigkeit und Zeit mit dem Kind/den Kindern allerdings gut vereinbar ist, braucht es nicht nur die Möglichkeit von Fremdbetreuung sondern auch familienfreundliche Arbeitsmodelle für Väter und Mütter. Wenn die Mutter arbeitet, damit zufrieden ist und zur Gesamtsituation eine gute Einstellung hat, können sich auch keine schlechten Gefühle übertragen.“ Wenn Eltern nicht sicher sind, wie sie ihre Eltern-/Kind-Zeit optimal gestalten sollen, bieten sich diverse Beratungsstellen für ein Gespräch an. Zu finden unter www.familienberatung.gv.at.