Eltern, lasst die Lehrer/innen machen!

So manche Eltern verspüren den Drang, auf den Schulunterricht ihrer Kinder Einfluss zu nehmen. Sie rufen in der Schule an, um sich zu beschweren oder kontaktieren Lehrer/innen permanent, um von den Leistungen ihrer Kinder zu erfahren. Warum können viele Eltern nicht loslassen und die Lehrer/innen walten lassen?
„Die Gründe sind vielfältig. Einerseits leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der alles schneller und besser gehen muss. Daher versuchen Eltern schon mit der Schulwahl ihre Kinder zu lenken und ihnen nur das Beste zu ermöglichen“, so Susanne Bock, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin von der Beratungsstelle BEZIEHUNGLEBEN.AT.

Durch die Angebote der Schulen werden Erwartungen und Ansprüche der Eltern in die Höhe geschraubt. Wenn sich dies nicht ganz so bewahrheitet, beginnen Misstrauen und Kontrollhaltung seitens der Eltern.
Andererseits spielen auch die persönlichen Schulerfahrungen sowie die eigenen unerfüllten Wünsche der Eltern, die diese oft unbewusst auf ihre Kinder projizieren, eine Rolle. Durch die Vielzahl der Elternratgeber und via Internet sind Eltern oft sehr informiert. Doch fehlendes kritisches Hinterfragen dieser Flut an Informationen schmälert oft das Vertrauen zu den Pädagog/innen.

Eine negative Grundstimmung der Eltern gegenüber der Schule überträgt sich fast immer auf das Kind. „Äußern Eltern ihren Unmut über die Lehrer/innen, können die Kinder in einen inneren Konflikt – einen Loyalitätskonflikt zwischen den Pädagogen und den Eltern kommen. Die Folgen können Demotivation oder sogar Schulverweigerung sein“, erklärt die Beraterin. Zudem löst dies bei den Kindern ein Gefühl von Unsicherheit oder Unfähigkeit aus.

Grundsätzlich ist das Kennenlernen des Lehrers/der Lehrerin zu Schulbeginn sehr wichtig. Wenn Eltern das Gefühl haben, ihr Kind ist in guten Händen, kann Vertrauen entstehen.
Wenn Kinder tatsächlich ein schulisches Problem äußern, rät die Expertin, sich dieses immer zwei Mal erzählen zu lassen – am besten zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten. Bestehe das Problem nach Abklingen der Aufregung immer noch, solle man sich mit dem Kind gemeinsam eine Lösung überlegen. Wichtig sei, das Kind zu ermutigen, Konflikte selbstständig zu lösen. Dadurch fühlt es sich wichtig und entwickelt Selbstvertrauen. Wenn das Kind das Problem nicht lösen kann, ist es immer noch möglich, gemeinsam in die Schule zu gehen und mit dem Lehrer/der Lehrerin zu sprechen.

„Es gibt Themen, die auf alle Fälle mit dem Lehrer/der Lehrerin besprochen werden müssen. Etwa bei Lernschwierigkeiten oder bei Veränderungen im Familienleben, wie zum Beispiel Trennung / Scheidung der Eltern oder schwere Erkrankung eines Elternteils, oder wenn Verdacht auf Mobbing besteht“, so die Beraterin. Das sei wichtig, damit der Lehrer/die Lehrerin auf ein mögliches verändertes Verhalten des Kindes reagieren kann und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden können. Der Unterrichtsstil sollte in der Kompetenz der Lehrer/innen bleiben.

Wenn Sie Hilfe zu Schulthemen benötigen, stehen Ihnen die Türen der österreichischen Familienberatungsstellen für ein kostenloses Erstgespräch immer offen.