Eltern ins Altersheim geben

Eltern ins Altersheim geben – ist das ok?

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ein oder beide Elternteile nicht mehr alleine leben können. Es gibt drei gängige Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen: Eine Pflegeperson für die Betreuung zu organisieren, im eigenen Heim Raum zu schaffen oder einen Ort zu finden, an dem Vater oder Mutter wohnen können und – so nötig – gepflegt werden. „Wenn ein Elternteil krank oder pflegebedürftig wird und sich selbst nicht mehr versorgen kann, beginnt für manche Familien ein nicht ganz einfacher Prozess. Es tauchen viele Fragen auf.“, weiß Mag. Gerald Hrdlicka, Psychotherapeut, Lebens- und Sozialberater und Leiter des Familien- und Beratungszentrums Mödling. In unserer Gesellschaft sei es immer noch eine gewisse moralische Verpflichtung, die Eltern bei sich zuhause aufzunehmen und bis ans Ende ihres Lebens zu begleiten.

Wenn das – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich scheint, plage viele Angehörige schlechtes Gewissen. Auch das Umfeld könne abschätzig reagieren, wenn man dazu nicht in der Lage ist. “Da hilft zuerst einmal gesunde Abgrenzung. Letztendlich ist es auch mein Leben und auch mir muss es gut gehen“, rät  Hrdlicka „Ich bin zwar mitverantwortlich, aber es müssen sich alle Beteiligten wohlfühlen.“ Gemeinsam mit dem Pflegling muss eine Lösung gefunden werden, die für alle passt und respektiert wird. „Das, was da ist, wird bestmöglich gestaltet – und damit muss man dann auch im Einklang sein.“ Man sollte auch bedenken, dass viele gutgemeinte „Eltern ins Haus hol“-Aktionen für manche Familien sehr belastend sind oder die pflegenden Angehörigen überfordern …

Ein Anliegen ist Hrdlicka auch die Entstigmatisierung des Todes an sich und somit auch der Phase davor: „Das Leben hat einen Rhythmus. Den muss man akzeptieren und daraus das Bestmögliche machen.“ Wenn ein Angehöriger in diese Lebensphase eintritt, ist man anders für ihn da, sollte er in einem Pflegeheim untergebracht sein. „Man ist deshalb kein schlechter Mensch. Es gibt mit Sicherheit genügend Möglichkeiten für Begegnungen und Austausch.“ Gerade in der letzten Lebensphase sei es dann auch wichtig, offene Fragen zu klären, Geschichten zu erzählen und zu Wertschätzung der Situation zu finden. „Nehmen Sie Druck heraus und pflegen Sie liebevollen Umgang.“ So könne sich die Beziehung in Ruhe transformieren und jeder kann seinen neuen Platz finden.

Wer über diese Gewissenskonflikte mit einem Profi sprechen oder sich auch als pflegender Angehöriger beraten lassen möchte, wendet sich mit seinem Anliegen an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen.