Mann und Frau reichen sich Hände

Einhalten der Corona-Maßnahmen: Wir sind uns uneinig!

Nasen-Mund-Schutz tragen, sich von anderen Menschen außerhalb der Familie fernhalten – es gibt eine Reihe von Vorschriften, an die man sich jetzt zu halten hat. „Wenn man als Paar eine unterschiedliche Haltung einnimmt und daraus ein Konflikt entsteht, gibt es da meist schon eine Vorgeschichte“, meint Ernst Luttenberger, diplomierter Ehe-, Familien, und Lebensberater am Institut für Familienberatung und Psychotherapie in Graz Kirchengasse und Hartberg. Es hätten sich im Laufe der Zeit viele unausgesprochene Themen angesammelt. Die derzeit angespannte Situation kann das bereits randvoll gefüllte Glas zum Überlaufen bringen.

„Die Wahrheit liegt in der gewaltfreien Kommunikation. Wenn man jemandem sagt, was er zu tun hat, es sozusagen bestimmt, befindet man sich nicht auf einer nährenden Gesprächsebene“, so Hr. Luttenberger. Wie etwa: Du bist immer so unvorsichtig, lehrerhaft, weißt immer alles besser, du musst…

Es würde kein Weg daran vorbeiführen, Gefühle, Ängste, Bedürfnisse und Bitten in Krisenzeiten anzusprechen. Jetzt bedeutet das, die Angst auszudrücken, den geliebten Partner durch nicht Einhalten der vorgegebenen Maßnahmen zu verlieren.

Diese erzwungen zurückgezogene Lebensphase könne von Paaren aber auch als Chance genützt werden, sich im Gespräch zu üben. „Dies gelingt, wenn man bei einzelnen Themen bei sich bleibt und versucht, seinen momentanen Gefühlszustand kundzutun und offen zu bleiben für andere Ideen“, so der Berater. 

Auch im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sei diese Vorgangsweise am wirkungsvollsten. Hier sei jedoch auch die Vorbildwirkung der Eltern wesentlich – hält man sich selbst an die Vorschriften, werden dies auch die Kinder übernehmen. 

Sollten etwa Pubertierende nur mit Abwehr reagieren, empfiehlt es sich, klar die Auswirkungen ihres Verhaltens anzusprechen. Etwa: „Ich soll Oma also sagen, dass es dir egal ist, wenn sie sich ansteckt und womöglich stirbt?“ Luttenberger dazu: „Fragen Sie, was Ihre Kids bereit sind, an Verantwortung einzubringen. Versuchen Sie auch hier, mit oben beschriebener gewaltfreier Kommunikation ein nährendes Gespräch zu führen.“

Gibt es in Familien solche oder ähnliche Themen, kann die Möglichkeit genützt werden, sich an die österreichischen Beratungsstellen derzeit online oder telefonisch und kostenfrei zu wenden.