Bub und Mädchen zeigen einander die Zunge

Eifersüchtige Stiefkinder

Eltern trennen sich, alleinerziehende Mütter oder Väter finden einen neuen Partner. Bringen beide ein Kind in die neue Beziehung mit, so kann die neue Lebenssituation zu Eifersucht unter den Stiefgeschwistern führen.

Dr. Friedrich Ebensperger, Klinischer- und Gesundheitspsychologe, sowie Psychotherapeut vom Pflegeeltern Verein, Steiermark: “Eine Stieffamilie ist ein sehr komplexes Gebilde. Ein einflussreicher Faktor auf das Wohlbefinden der Kinder und Partner ist, ob die vorangegangene Beziehung abgeschlossen ist bzw. wie die Trennungsphase verlaufen ist. Ebenfalls spielt die Sorgerechtskonstellation eine Rolle, die mit dem vorherigen Partner/In vereinbart wurde.“ Hier sollte vom Kind auf keinen Fall verlangt werden, dass der/die neue Partner/in als Ersatz für seinen leiblichen Vater oder Mutter zu akzeptieren ist.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist das Alter der Kinder. Während Kinder im Alter von null bis drei Jahren die neue Situation noch nicht so wahrnehmen bzw. eventuell einfacher verarbeiten, ist es bei älteren Kindern bzw. Jugendlichen schwieriger. Diese haben bereits ihre gewohnte Position im Famliengefüge, die dann plötzlich nicht mehr vorhanden ist und sie sind somit gezwungen sich umzustellen. Hier ist vor allem wichtig, so Ebensperger: “Dem Kind zu vermitteln, dass z.B. Eifersucht auf einen Elternteil durchaus ein erlaubtes Gefühl sein darf und es nicht möglich ist, alle Kinder immer gleich zu behandeln. Gleichzeitig sollte auch kommuniziert werden, dass jedes der Kinder jeweils eigene Privilegien genießen darf. In der Regel geht es vor allem darum, dass sie einen gesicherten Teil an Aufmerksamkeit bekommen, den sich nicht immer teilen müssen.“

„Manchmal laden Eltern ihre Kinder geradezu ein, sie zu manipulieren. Das passiert besonders leicht, wenn aus Schuldgefühlen gegenüber dem Kind, dem neuen Partner nur eine sehr ambivalente Rolle in der Erziehung zugesprochen wird.“, so Ebensperger. Auch dies hat mit der Rolle des/der neuen Lebensabschnittspartners/in zu tun und damit, wie die vorangegangene Trennung verlaufen ist.

Eltern sollten auf jeden Fall beobachten ob es zu Streitereien zwischen den Stiefkindern kommt, jedoch nicht voreilig handeln. Sie können hier nicht permanent die Rolle eines „Schiedsrichters“ einnehmen. Nur dadurch lernen Kinder, bestimmte Situationen selbst zu meistern. Ebenfalls hat nicht jeder Konflikt unter Stiefgeschwistern unbedingt etwas mit der neuen Lebenssituation zu tun. Abhängig von den verschiedenen Altersstufen reagieren Kinder anders auf die Veränderungen. Hierbei bieten sich verschieden Möglichkeiten um ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Emotionen zu benennen und auszudrücken z.B. Spiele, Bücher. Tipps dazu finden Sie in Elternbriefe "Patchworkfamilie".