Mann mit Kussmund auf der Wange an der Tür lehnend. Frau mit Nudelholz hinterm Rücken haltend.

Eifersucht

Die Eifersucht ist, laut Volksmund, „eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“. Für die einen ein unentbehrlicher Teil der Liebe, für die anderen ein Trennungsgrund. Was sie auslösen kann, wovon sie abhängt, ob und wie man sich dagegen wehren kann – darüber spricht Dr.in Karin Urban, Psychologin, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin und Leiterin des Zentrums für Ehe- und Familienfragen in Innsbruck.

Eifersucht ist ein vornehmlich negativ besetzter Begriff. Wir assoziieren sie mit Schmerzen, zu wenig Anerkennung, Verbitterung. Sie wirkt bedrohlich auf die Beziehung, ist oft gekoppelt an Sehnsucht nach mehr Liebe, Zuwendung. Wird der hohe persönliche Liebesanspruch vom Partner nicht befriedigt, kann Verlustangst entstehen. Diese ist häufig irrational und geht aus einem geringen Selbstwertgefühl hervor. Man tendiert dazu, die Schuld auf den anderen zu schieben „Er/sie macht mich eifersüchtig. Sein/ihr Benehmen ist schuld“, dabei sitzt das Gefühl in uns. Die Ursachen dafür können unterschiedlich ausfallen und sind oftmals in der persönlichen Entwicklungsgeschichte verankert: unbewältigte Eifersucht auf den nachfolgenden Geschwisterteil oder zu wenig Geborgenheit in früheren Beziehungen. Doch was kann man dagegen tun? Die Vergangenheit kann man bekanntlich nicht ändern, an der Gegenwart kann man jedoch arbeiten um eine angenehmere Zukunft zu gewährleisten.

„Selbstsorge“ ist dabei das Schlagwort. Heutzutage, in einer Gesellschaft, in der dauerhafte Beziehungen immer seltener zu werden scheinen, ist macht sich die Tendenz bemerkbar, sich an den/die Partner/-in zu klammern. Diese/-r soll dann alle Wünsche nach Glück, Geborgenheit, Sicherheit usw. befriedigen. Distanziert man sich von dieser Erwartungshaltung, scheint es naheliegend, dass ein einziger Mensch, auch wenn es der Partner ist, diesen Wunsch nicht erfüllen kann. Wichtig ist es, sich auch bewusst anderen Dingen des Lebens, wie z.B. Freunden und Familie, Interessen usw. zuzuwenden und diese zu pflegen.

Wenn man selbst nicht weiss, wie man gegen das Gefühl ankämpfen kann, oder die Zusammenhänge nicht versteht, kann sich eine Beratung als hilfreich erweisen.  Mit professioneller Hilfe gilt es zu schauen: Was kann für diesen Menschen noch wichtig sein im Leben? Wie kann diese Abhängigkeit vom Partner geringer werden? Wie kann er/sie sich mit seinen/ihren Verlustängsten zurecht finden? Je mehr man sich selbst spürt, desto weniger abhängig ist man von der Spiegelung im anderen („Du bist schon ok, Du machst das gut.“) Das ist ein Prozess, der auch der Beziehung helfen kann, indem er den Partner/die Partnerin entlastet. Man legt folglich nicht mehr alle Hoffnung glücklich zu werden in ihn/sie.

Doch was, wenn man nicht selbst eifersüchtig ist, sondern ständig des Betrugs/Verrats beschuldigt wird? ?„Es ist ein Teufelskreis, in dem einer/eine ständig Schuldzuweisungen ausübt und der/die andere dauernd seine Unschuld beteuern muss.“ Auf Dauer geht das selten gut, denn man kann das Eifersuchtsproblem nicht für den anderen lösen. Was man hingegen machen kann, ist, ihm/ihr eine Paarberatung vorzuschlagen. Hilfe ist auf jeden Fall erstrebenswert, denn der kontrollierende Part leidet vor allem auch selbst darunter.

Wie viel Eifersucht gesund ist, muss jeder für sich entscheiden. Fühlt sich die Beziehung jedoch wie ein Gefängnis an, ist es höchste Zeit etwas zu unternehmen. Möglichkeiten gibt es viele, es gilt sie zu bemerken und in Anspruch zu nehmen.