Eifersucht unter Freunden

Eifersucht unter Freund/innen

Eifersucht kann nicht nur in Beziehungen vorkommen, sondern auch zwischen besten Freund/innen. „Sie entsteht durch die Angst, etwas zu verlieren – wie etwa Aufmerksamkeit oder die Zuwendung des/der Freundes/in“, so Elke Kroißenbrunner Diplomsozialarbeiterin und systemische Familienberaterin vom Institut für Familienfragen

Freund/innen seien ein sehr stabilisierender Faktor im Leben eines Menschen. Man teile mit diesen Personen gewisse Rituale und Abläufe, an die man gewöhnt ist. Wenn sich durch einen neuen Job, einen neue/n Partner/in oder aus anderen Gründen etwas an der bestehenden Freundschaft ändert, könne dies zu Verlustängsten führen. Sobald der/ die Freund/in mehr Zeit, Energie oder Emotionen in einen/e neuen Partner/in oder ein neues Hobby investiert, kann dies Eifersucht auslösen.

Auch ein geringes Selbstwertgefühl, eine Lebenskrise oder zu hohe Erwartungs-haltungen an die Freund/innen können zu einem eifersüchtigen bzw. neidischen Verhalten führen. Das passiert vor allem dann, wenn ein/e Freund/in etwas erreicht, das man selbst gerne schaffen würde, wie etwa einen Karrieresprung, Gewichtsabnahme oder sportliche Erfolge.

„Wenn man merkt, dass man eifersüchtig auf die besten Freunde ist, sollte man zuerst reflektieren, warum das so ist. Was ist meine Sorge? Woher kommen meine Ängste? Bekomme ich zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung?“, empfiehlt die Beraterin.
Zusätzlich könne es helfen, die Veränderung zwischen den Freund/innen zu thematisieren und gemeinsam eine Lösung zu finden. Oft helfe es, sich zum Beispiel ein neues Ritual zu überlegen, einen gemeinsamen Fixpunkt festzulegen, um wieder mehr Zeit gemeinsam zu verbringen.

Andererseits könne man, wenn man merke, dass Freund/innen auf einen eifersüchtig sind, auch erste Schritte setzen. Wichtig sei es, authentisch zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Sonst würde man sich selbst und den anderen belügen. Stattdessen solle man die Person wieder mehr an seinem Leben teilhaben lassen. „Sprechen Sie mit ihrer Freundin über die Veränderung, damit verbundene Gefühle  und holen Sie sie somit ein Stück in ihr Leben “, rät Kroißenbrunner. Oft helfe es auch, die Eifersucht direkt anzusprechen.

Eifersucht, vor allem aber Neid müsse nicht immer negativ behaftet sein. Sie können auch als Motor und Antrieb dienen, selbst etwas verändern und erreichen zu wollen. Welche Fähigkeiten könnte man aufleben lassen, welche Grenzen habe man sich bisher gesetzt, über die man nicht hinaus kann.
Wichtig sei, dass man seine Eifersucht nicht hinunterschluckt, sondern sich damit beschäftigt und die Ursachen dafür findet. Wenn man das nicht tue, können die erstickten Gefühle auch zu psychosomatischen Symptomen führen.

Wenn Sie dieses oder ein ähnliches Thema beschäftigt, können Sie sich an die zahlreichen Familienberatungsstellen in ganz Österreich wenden.