Distanz und Nähe

Ein Kernthema in Partnerschaften: Wie viel Nähe wollen wir, wie viel Zeit braucht jeder von uns auch für sich selbst? Dass ein gutes Pendeln zwischen Nähe und Distanz gesund wäre, ist vermutlich den meisten Paaren bewusst. Oft stellt sich jedoch heraus, dass diese Balance in der Praxis nicht so einfach ist, wie es in der Theorie klingt. Elke Kroißenbrunner vom Institut für Familienfragen nennt dieses Thema als eines der häufigsten in ihren Beratungsgesprächen: „Am Anfang deckt sich das Bedürfnis meist – die frisch Verliebten wollen rund um die Uhr zusammen sein. Später wird es oft schwierig. Die Frage ist dann primär: Stelle ich mich dem Problem?“ In vielen Partnerschaften werde das Thema nie ausgesprochen und kommuniziert – jeder leidet still heimlich unter seinem nicht ausreichend befriedigten Bedürfnis nach mehr Nähe oder Eigenbestimmtheit oder reagiert möglicherweise aggressiv und macht Druck.  „Das Wichtigste ist, in Kontakt zu bleiben. Wie übrigens auch zu allen anderen Themen in der Beziehung.“ Kroißenbrunner rät, sich immer wieder Zeiten zu vereinbaren, wo offen und wertschätzend darüber gesprochen werden kann, wie es jedem mit dem anderen geht.

Die Beraterin empfiehlt auch, sich bei diversen Unzufriedenheiten immer bewusst zu machen, dass man sich diesen Partner ja ausgesucht und schon viel über ihn gewusst hat. „Man muss auch von Zeit zu Zeit selber reflektieren. Was sind überhaupt meine Vorstellungen und wie kann ich am besten mit jenen Bedürfnissen umgehen, die ich in der Partnerschaft nicht befriedigend erfüllt bekomme“, empfiehlt Kroißenbrunner. Dabei dürfe man sich selbst auch nicht aus den Augen verlieren. „ Wichtig ist ein klares Ja zum Partner, aber auch ein klares Ja zu meinem Eigenleben.“ Diese Haltung müsse für den Partner spürbar sein.

Es kommt aber durchaus auch des Öfteren vor, dass sich unerwartet etwas verändert. Jemand, der bislang viel Nähe gesucht hat, distanziert sich langsam und tritt Schritt für Schritt zurück. Das kann zu Verständnislosigkeit führen. Auch hier die wichtige Empfehlung, durch Gespräche zu hinterfragen, was in dem anderen möglicherweise vorgeht. 

Eine entscheidende Phase sei auch jene, in der Kinder kommen. Hier ordnet sich die Idee von Nähe und Distanz neu. Oftmals benötigen die Partner abgesehen von der gemeinsamen Auszeit wieder mehr Zeit für sich, um einfach nur durchschnaufen zu können. Da sei es besonders wichtig, auf die eignen Bedürfnisse zu hören und sich zu gestatten, diese auch zu leben.

Wer sich zu diesem Thema gerne an einen Profi wenden möchte, wird in den österreichischen Beratungsstellen jederzeit informiert.