Bauch einer Schwangeren, rechts und links Hände die ok zeigen

Diagnose: Baby

Pränataldiagnostik ist zu einem wichtigen Thema unter Schwangeren geworden. Meist zeigt sich bei den Untersuchungen, dass alles in Ordnung ist. Sie können jedoch auch Ängste, Unsicherheiten und Entscheidungskonflikte auslösen.

Nicht nur die so genannten Risikogruppen beschäftigen sich mit Pränataldiagnostik. Dorothea Rüb, Hebamme und Projektkoordinatorin der Frauen- und Familienberatungsstelle „Belladonna“ Klagenfurt dazu: „Mittlerweile nehmen sehr viele Schwangere vorgeburtliche Untersuchungen in Anspruch.“ Doch oft sind sie nicht ausreichend über die Chancen, Grenzen und möglichen Folgen der vorgeburtlichen Diagnostik informiert. Tendenziell nehmen immer mehr Frauen, auch unter 30-jährige, nicht invasive Untersuchungen in Anspruch. Diese Methoden werden ohne Eingriff in den Körper der Frau durchgeführt und sind mit weniger Risiken verbunden.

„Die Auswirkung des Alters der Frau in Bezug auf mögliche Behinderungen des Kindes ist jedoch in der Öffentlichkeit überbewertet.“, so Rüb. Es entsteht die Meinung, dass es üblich ist bestimmte Untersuchungen zu machen. Beispielsweise sind nur ein Prozent der Kinder von 40-jährigen von Trisomie 21 betroffen. „Es ist nur eine Frage der Betrachtungsweise, denn 99 Prozent der Kinder werden ohne diese Behinderung geboren.“, erzählt Rüb – das hört sich schon ganz anders an. Es spielen jedoch auch andere Faktoren eine Rolle. „Meist sind Ärzte aufgrund vergangener Schadensfälle vorsichtig und empfehlen eher mehr statt weniger Untersuchungen, um sich abzusichern.“, erzählt Rüb.

Über all diese Faktoren sollten werdende Eltern daher informiert sein, bevor sie sich für oder gegen Untersuchungen entscheiden. „Hier gibt es oft Informationsdefizite. Eltern sollen sich für die Entscheidung Zeit nehmen.“, rät Rüb: „Wie würden wir reagieren? Welche Vorstellungen und Werte haben wir? Welche Untersuchungen kommen grundsätzlich in Frage? Wenn es dabei unterschiedliche Meinungen oder größere Konflikte gibt, empfiehlt es sich dies in Beratungsgesprächen abzuklären.“ Die Abwägungen sind immer individuell zu treffen und hängen von vielen Faktoren wie familiäre und gesundheitliche Vorbelastungen ab.

In den meisten Fällen tragen Untersuchungen des ungeborenen Kindes zur Beruhigung bei (97 % aller Kinder kommen gesund und ohne Behinderung zur Welt). Eltern können sich auf das Kind freuen. „Doch schon eine kleine Abweichung oder ein Stirnrunzeln kann bei Schwangeren ein Gefühl der Unsicherheit hervorrufen.“ Gibt es einen Hinweis auf Auffälligkeiten, so empfiehlt es sich, den Partner oder eine nahe stehende Person zur Untersuchung oder zum Aufklärungsgespräch mitzunehmen. Denn Betroffene befinden sich oft in einer Art Schockzustand. „In manchen Fällen kann durch die frühzeitige Diagnose bestimmter Fehlbildungen eine Behandlung schon während der Schwangerschaft vorgenommen werden. Außerdem kann die Geburt und die Zeit danach so gestaltet werden, dass das Kind bestmöglich medizinisch versorgt werden kann. Außerdem ist es möglich, sich psychisch vorzubereiten und für Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag zu sorgen.

Nach einem positiven Befund ist oft auch der Schwangerschaftsabbruch Thema – ein sehr heikles. Prinzipiell ist es dabei wichtig, die Entscheidung nicht unter Druck zu treffen. Es geht darum abzuklären: Welche Informationen brauche ich noch? Wie ist die derzeitige Lebenssituation? Was kann ich mir zumuten und was hat mir bisher immer geholfen? Eltern müssen aber auch wissen, dass es mit dem Abbruch nicht getan ist. „Wichtig ist vor allem auch die Zeit danach. Zeit sich zu verabschieden, sich mit Reaktionen danach auseinanderzusetzen, so Rüb.

Die Qualität der Untersuchungen kann sehr unterschiedlich sein. Bei der Entscheidung für vorgeburtliche Untersuchungen sollten daher auch gut ausgebildete Zentren bzw. Praxen ausgewählt werden. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es dennoch nie.

In jedem Fall ist es wichtig, sich Zeit für jede Entscheidung zu nehmen und auch auf die Beziehung zu achten. Denn eine Schwangerschaft ist der Übergang in eine neue Lebensphase und mit vielen Umstellungen des Lebensraumes, der Einkommenssituation, der Partnerschaft und im Freundeskreis verbunden. Viele Beratungsstellen bieten Möglichkeiten sich über die eigenen Ressourcen bewusst zu werden, zu lernen mit Unsicherheiten umzugehen, nachzufragen, sich zu informieren und dann zu entscheiden. Wichtig ist die Vernetzung und Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen in der vorgeburtlichen Betreuung, um werdende Eltern gut zu begleiten.

Nähere Informationen zu den verschiedenen Untersuchungen finden Sie in der Broschüre Pränataldiagnostik zum Download.