Eltern ziehen an Kind

Die Kinderseele im Scheidungskrieg

5-10 Prozent aller Trennungen sind konflikthaft – bis hin zum klassischen Rosenkrieg, wo sprichwörtlich die Fetzen fliegen. So die Partner Kinder haben, sind es diese, die darunter oft am meisten leiden. Christine Laimer, diplomierte Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Wiener Familienbundes www.wiener-familienbund.at, ist mit ihrem Team unter anderem für Besuchsbegleitungen zuständig. Dabei treffen Kinder getrennter Paare den getrennt lebenden Elternteil. Sie weiß daher, wie es um die Psyche der Kinder bestellt ist, die solchen Situationen ausgesetzt sind: „Kinder erleben zwangsläufig die Spannungen zwischen einem Paar, das sich getrennt hat und empfinden es als große Belastung. 

Die wichtigste Aufgabe der Eltern ist, Konflikte nicht vor den Kinder auszutragen.“ 

Sollten dennoch emotionale Ausbrüche passieren, so muss zumindest ein Gespräch mit den Kindern stattfinden, das klarstellt, dass es rein gar nichts mit ihnen zu tun hat, was gerade zwischen den Eltern passiert. „Am besten, Mutter und Vater sprechen gemeinsam mit den Kindern und machen ihnen klar, dass sie zwar einander nicht mehr lieben, dass die Liebe zu den Kindern aber immer weiter gehen wird“, so die Expertin. 

Wird der Stresslevel für die Kinder zu hoch, so ist es eine gute Möglichkeit, den Kindern zeitweise einen Ruhepol bei beispielsweise den Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits anzubieten. Auch nach der Trennung sollen die Kinder weiterhin Kontakt zu beiden Familien haben dürfen. 

„Kinder sind ohnehin Spezialisten für alle Gefühlslagen der Eltern – aber weder Therapeuten noch Partnerersatz.“ Zum Aussprechen und Ausweinen sind sie nicht das geeignete Gegenüber. Wichtig ist in solchen Fällen zu hinterfragen, wo der Trost für das Kind endet und die Einengung beginnt.

Wann und wie Kontakte zum abwesenden Elternteil stattfinden, müssen die Eltern festlegen. Kinder dürfen keinesfalls zu einer Entscheidung für einen der beiden Elternteile gedrängt werden. Das würde starke Schuldgefühle im Kind auslösen und die emotionale Belastung extrem verstärken, die eine Trennung zwangsläufig hervorruft. „Die Erwachsenen tragen die Verantwortung und treffen Entscheidungen“, sagt Laimer. 

Unterstützung bieten die zahlreichen Familienberatungsstellen in Österreich. Eltern können sich dort über den richtigen Umgang in solchen Situationen beraten lassen, die Bedürfnisse der Kinder werden beleuchtet, außerdem gibt es die Möglichkeit, Gespräche zwischen dem Elternpaar zu moderieren.